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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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III.

Als Friedrich Wilhelm sich als Kronprinz mit seinerMutter in Bonn aufhielt, soll ihn diese auf einem Balleganz absichtslos auf die elegante uud schöne Erscheinungder Fran eines jungen Offiziers aufmerksam gemacht haben.Der Prinz entbrannte darauf rasch in so heftiger Leidenschaftzu dem schönen Weibe, daß er beschloß, mit Hintansetzungaller Rücksichten, diese schon mit zwei Söhnen gesegnete Franzu seiner Gemahlin zu machen. Sie willigte ein und verließdie katholische Kirche . Ihr Mann ließ sich angeblich mit40 000 Talern abfinden; er verklagte seine Frau auf bös-willige Verlassnng und die Ehe wurde geschieden. Die Aktenhierüber dürften sich noch jetzt bei dein königlichen Kammer-gericht zu Berlin finden. Gertrud Lehmann wurde zur Gräfinvon Schaumbnrg und später znr Fürstin von Hanau er-hoben. Selbstverständlich waren die aus dieser Ehe hervor-gegangenen sechs stattlichen Prinzen von Hanau nicht suk-zessionsfähig. Daraus entwickelte sich sofort eilt Doppeltes.Die Gräfin von Schaumbnrg mußte daran denken, für ihreeigene und für ihrer Kinder Zukunft zu sorgen, ohne dabeiauch nur irgendwelche Rücksichten auf das Kurfürstentumund seine Interessen All nehmen. Andererseits konnte es derKurfürst nicht verschmerzen, daß seine Deszendenz von demThrone seiner Väter ausgeschlossen werden solle lind ein ent-fernterer Vetter sein Nachfolger werde. Auf einem zwie-fachen Wege konnte er sich dieser drohenden Eventualität ent-ziehen, entweder durch eine Ncnverheiratung mit einer eben-bürtigeil Frau, oder durch Erlangung der Anerkennung seinerSöhne als sukzessionsberechtigt. Zwischen beiden Wegen hater lange Zeit hin- und hergeschwankt. Erschien der letzteals der fast ungangbare, so haben ihn denselben doch öster-reichische Diplomaten in geeigneten Augenblicken als nichtaussichtslos hingestellt. Nur weiln der legitime ThronfolgerPrinz Friedrich Wilhelm von Hessen-Rumpenheim Miene