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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
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Die Kasseittrcmuuig,

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stets Ausnahmen bleiben werden, ein Zusammenwirken,eine Assoziation, ein sich Begegnen der Absichten undGesinnungen vou Natur vorbereitet ist. Hier auch, wieüberall in gesunden und natürlichen Fuuctioneu, liegenMittel und Selbstzweck ineinandergeschachtelt. Was demInteresse förderlich, leistet hier auch der Förderuug desguten Sinnes von beiden Seiten Vorschub; Ursprung uudEndziel der Handlung stehen zu einander in ununter-brochener lebendiger Wechselwirkung.

Darum eben haben die, welche in Wahrheit amsozialen Frieden halten, stets diesem Zusammenwirken vonUnternehmer und Arbeitgeber das Wort geredet, währenddie, welche es mit diesem Frieden leicht nehmen, solcheBestrebungeu als unzulänglich oder irreführend verschmähenund auf Trennung, oder wie sie es nennen: Organisationnach Klassen bestehen. Diesen nämlich liegt das Idealdes sozialen Friedens erst jenseits eines sozialen Kriegs,der vorausgehen muß und zu desseu Vorbereitung dieKlassentrennuug stramm durchzuführeu ist. Alle diejeni-gen, welchen, vom zünftigen oder vom sozialistischen Gedanken ans, die abgesonderte Organisation der arbei-tenden Klassen im Gegensatz zur Natur der heutigenStaatsgesellschaft als Ziel vorschwebt, verrathen entschie-den Abneigung gegen das gemeinsame Zusammenwirkenvon Arbeitgeber und Arbeiter in Kassen und sonstigennützlichen Veranstaltungen. Die deutschen Gewerkvereineverfolgten schon bei der Berathung des industriellen Haft-pflichtgesetzes unzweideutig diese Richtung. Ihre parla-mentarischen Vertreter im Reichstag widersetzten sich nachKräften der Begünstiguug solcher Versicherungskassen,welche aus friedlicher Verstäudigung zwischen Arbeitgeberund Arbeiter hervorgehen sollten. Sie wollten nicht, daß