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Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtes / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Eilftes Capitel.

ob endlich durch irgend eine Theilung der Beitragspflichtdie Fiction unterhalten wird, daß beide Theile jeder ausseinem eigenen Ueberschuß beisteueru.

Alles das gilt natürlich nur, so lange das Gesetzeiueu Zwaug auferlegt, welcher ebeu deßhalb innerlichden Zwang zur Zahlung eines Normallohns enthält. Da-gegen ändert W die Sachlage zu ihrem Vortheil, sobaldhier die freie Selbstbestimmung nud Uebereinkuuft Platzgreift, welche die Regel und die Triebkraft der mensch-lichen Selbsterhaltungsaufgabe und Verantwortlichkeitbildet. Hier folgt der Unternehmer der Aufforderungzur Erkenntniß seines wohlverstandenen Interesses an demWohlergeheu der Arbeiter; und in diesem wohlverstandenenInteresse ist auch die Befriedigung seiner menschlichenGefühle inbegriffcn, welches wir, wollten wir die hoch-trabende Sprache der wissenschaftlichen Mode reden, diesittliche oder ethische nennen könnten. Hier ergeht nichtminder an den Arbeiter die wohlthätige Aufforderung,durch eigenes Nachdenken und eigene Anstrenguug denGedanken an eine gesicherte und verbesserte Zukuuft zuPflegen. Hier aber, uud das ist eine Hauptsache, ist derPunkt, an dem sich anders als mit Phrasen der Hebel zurFörderung der Eintracht zwischen beiden jetzt von Wissen-schaft und Moral wegen gegen einander aufgehetzten Par-teien ansetzen läßt. Hier öffnet sich das Feld der wahreilCooperation "; nicht in der chimärischen Partnerschaftzwischen dem obersten intellectuellen Dirigenten eines weitausgespounenen Unternehmens und dem letzten Handlanger,dem eine beliebige mechanische Verrichtung anvertraut ist.Wer in ausführbarer Weise den sozialen Frieden pflegenwill, wird seine Bestrebungen eben auf diese Thätigkeitenrichten, in denen auch anders als in Experimenten, die