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lächerlichen Flicken der bayerischen nnd WürttembergischenReservatrechte und die diplomatische Selbstherrlichkeit derBundesfürsten zur Schau trägt, als wenn das etwas ganzNatürliches wäre. Und wie unsere großen Encyklopädien unoWörterbücher zuweilen mitten in der Arbeit stecken bleiben, sosollte nach der Laune des ersten Kanzlers auch das bedeu-tendste und glücklichste Werk, welches die Gesetzgebung desneuen Reiches unternommen hatte, mit einer kurzen Hand-bewegung zum Krüppel gemacht werden. Was ihn zudiesem Handstreich bewog, hat man in authentischer Welseniemals erfahren. Ohne Zweifel hat der Haß Bismarck'sgegen die Freihändler, welche auch die Urheber nnd Ver-theidiger der deutschen Münzreform waren, Lei seinem An-griff auf letztere stark mitgespielt. Ueber den Anstoß zu dembestimmten Vorgehen, welches den vorn Gesetz vorgeschriebenenSilberverkäufen mit einem Schlag ein Ende mächte, ist eine ^
gewisse Enthüllung nie erzielt worden. Aber Indizien weisendaraufhin, daß interessirte Rathschläge einer vermeintlichsachverständigen, aber in der That höchst fragwürdigenBörsenautorität dabei ausschlaggebend gewesen sind. So istes gekommen, daß das große Deutsche Reich, welches mitseltenem Glück den richtigen Moment erwählt hatte, um anStelle seiner elenden und gemeinschädlichen Münzzerfahren-heit eine gesunde Währung zu setzen, in den Ruf kam, ohn-mächtig in diesem Versuch stecken geblieben zu sein und vonseinen Feinden als abschreckendes Beispiel vernünftiger Re-formen hingestellt zu werden. Fürst Bismarck hat in wirth-fchastlichen Dingen immer mit Vorliebe an untergeordnetecharlatanistische Rathgeber geglaubt. Davon wissen dieSachkundigeil der Getreidebörse die schönsten Geschichten zuerzählen. Die Charlatanerie hat ja auch auf medizinischemBoden ihre beste Kundschaft in den Kreisen der Aristokratie.
Die Verachtung des gesunden Menschenverstandes und derprosaischen Regeln ist ein psychologisches Attribut der kava-lieren Erhabenheit über die Denkweise, die auf ebenem Wegezu Fuße wandert.
Jedoch das Glück, welches dem Deutschen Reiche in '
Sachen seiner Münzreform treu blieb, gleichsam als solltees für seinen ersten großen Gedanken selbst vom blindenZufall belohnt werden, hatte es so gefügt, daß jener unglück-selige Eingriff erst erfolgte, als die Umwandlung des Silbers »
m Gold bereits zum größten Theil vollzogen war. Auchvor diesem Zeitpunkt war mangels richtiger Beurtheilung derWeltverhältnisse und aus kleinlichen Auffassungen herausvon Anderen als dem Fürsten Bismarck , und die es hättenbesser wissen können, schädliche Verzögerung und kostspielige