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Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Knauserei besorgt worden. Hätte an maßgebender Stelledas volle Verständniß für die Größe und die welthistorischeBedeutung der Umwandlung in der Zeit von 1871 bis 1879gewaltet, so würde der Mißgriff dieses letzten Jahres gar keinüberflüssiges Silber mehr vorgefunden haben.

Die Probe auf diesen Mißgriff ist heute leicht zumachen. AIs xar oi-cirs cku Noulii im Mai 1879 plötzlichbefohlen wurde, keine Thaler mehr einzuziehen und zu ver-kaufen, wie es zur Durchführung der Münzreform aus-drücklich vom Gesetz vorgeschrieben war, interpellirte eineAnzahl von Abgeordneten des Reichstags, au deren Spitzeder ehemalige Minister und Präsident des NeichskanzleramtesDelbrück , über die Thatsächlichkeit dieser willkürlichen Ver-fügung und deren Sinn. In den schnödesten, übermüthigstenWendungen, mit welchen der damalige Reichskanzler FürstBismarck jetzt selbst Abgeordneter die Volksvertretungje traktirt hat, antwortete dieser den Interpellanten, vondenen jeder Einzelne durchaus Sachkenner war, mit derganzen Sicherheit stolzer Ignoranz, daß sie seine wohlgezo-genen Kreise durch vordringliche und böswillige Neugierdekreuzten. Den tiefen Sinn dieser geheimnißvollen Entrüstungmußte dann der zum Sukkurs herbeigeschleppte Präsidentder Reichsbank, Herr von Dechend, dahin aufklären, daßeinzig und allein die bisherigen Verkäufe des DeutschenReiches am Niedergang des Silberpreises schuld seien, unddaß, wenn dieses damit aufhöre, jener Preis sich wieder auf-raffen und zu seiner alten Herrlichkeit emporsteigen werde.Ani Schluß oer Rede fielen jene unvergeßlichen, überschwäng-lichen Worte, daß, wenn der Reichstag sich hiermit einver-standen erklären wollte, der Segen des Auslandes über ihnkommen würde; gewiß ein rührender Gedanke in: Mundeeines Eideshelfers des eisernen Kanzlers.

Wie es damit geworden ist, weiß man.

Dreizehn Jahre sind seitdem vergangen; das DeutscheReich hat das Gelübde der Keuschheit nie gebrochen?) Aberder Preis des Silbers, welcher, damals auf dem Londoner Markt 51 Pence betrug, beträgt heute deren nur etwas über

*) Nur einmal wurde im Jahre 1886 unter der Gunst besondererUmstände ein tleiner Betrag an Aegypken abgegeben, nämlich hundert-tausend Pfund fein Silber zu den Preisen von 47'/, bis 46 Pence englischfür die Unze Standard. Der Gesammterlös brachte die Summe von6 898002,72 Mark. Zum Verkauf wurde zunächst der Restbestand desReichs an Silberbarren (86166 040 Pfund fein) verwendet. Das nochfehlende Quantum wurde durch Einschmelzung von 1246 900 Mark inVereinsthalern und 1608 Mark in nicht mehr umlaufsfähigen Thaler-stücken gewonnen.