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39, und der Verlust, den das Reich aus diesem Niedergangerleidet, beziffert sich zur Stuude auf beiläufig hundert Mil-lionen Mark — künftigen ungerechnet.
Doch so respektabel auch eine solche Summe ist, sieläßt sich verschmerzen gegenüber dem Glück, daß trotz allerMißgriffe und Anfeindungen das große Werk heute doch alsin Sicherheit gebracht über allem Zweifel erhaben dasteht.
Aber eben die versöhnende Gewißheit, daß der großeWurf doch gelungeu ist, enthält auch die Aufforderung, nachder anderen Seite hin gerecht zu sein. Es hätte ja vielschlimmer kommen können! Fürst Bismarck ließ es genugfern mit dem eineu großen Mißgriff, und wenn er ihn da-mit fortsetzte, daß er in den folgenden elf Jahren, trotzwiederholter Aufforderungen des deutschen Handelstags undtrotz aller Zeichen der Zeit, nicht auf den Weg des gesetzlichVorgeschriebenen zurückkehrte, sondern das Ende der Münz-reform in der Versumpfung stecken ließ, so scheute er sichdoch vor der viel größeren Unthat, das ganze Werk rückwärtsaufzulösen und Deutschland dem bimetallistischen Abenteuerrettungslos auszuliefern. Ob jemals die Versuchung dazuihn angewandelt hat, ist schwer zu sagen. Nur soviel rstgewiß: lange Jahre hindurch schwebten die Freunde derMünzreform, auch solche, die noch in höheren Aemtern ge-blieben waren (viele waren dies allerdings nicht mehr) ingroßer Besorgniß, daß die agrarische Freundschaft und dieAntipathie gegen die Freihändler den Kanzler zn dem ver-hängnißvollen Schritte verleiten könnte. Seine bekanntlichim Verlaufe der Zeiten im Reichstag abgegebene Erklärung,daß er im Ungewissen über das Nichtige' schwebe — „uouligust," — war wohl aufrichtig, und das Gefühl der Ver-antwortlichkeit in einer so entscheidungsschweren Sache magnoch verschärft worden sein durch die Erwägung, daß dieanderen Staaten — Nordamerika, Frankreich, England —sich so ungemein freuen würden, wenn Deutschland sich inden bimetallistischen Abgrund stürzen wollte. Ein Uebermaßvor Segen des Auslandes hätte selbst einem weniger ideo-logen Minister des Auswärtigen zur heilsamen Warnungdienen können. Nicht klein wär dabei gewiß das Verdienstdes Finanzministers von Scholz, der, seitdem er Unterstaats-sekretär des Reichsschatzamtes geworden, mit großem Ernstund der ganzen «schärfe seines Verstandes in die Materieeingedrungen und ein überzeugter Anhänger der Goldwäh-rung geworden war. Ferner gebührt eine besondere Aner-kennung einem Manne, der in dieser Jdeenverbindung nichtgenannt zu werden pflegt, aber auf Erwähnung ein gutesRecht hat, nämlich dem deutschen Diplomaten Herrn von