Thielmann*), der Deutschland auf der InternationalenPariser Münzkonferenz im Jahre 1881 vertrat und daselbstmit ausgezeichneter Sachkenntnis; nnd Gewandtheit dendeutschen Interessen diente.
Der Winterschlaf, in welchem die Münzreform seit1879 über ein Dutzend Jahre, vorn Geräusch der Krieas-führung in Rede und Schrift unberührt, gelegen hatte, solltenun endlich im Herbst 1891 unterbrochen werden. Dieserste Lebenszeichen einer verantwortlichen Regung ist demjetzigen Ministerium Caprivi und seinen Räthen im Reichs-schatzamt zu verdanken, und man geht wohl nicht fehl,wenn man daraus sowie aus mancherlei Wendungen,die im Lauf der letzten Reichstagssession von: Regierungs-tisch gefallen sind, den Schluß zieht, daß die Geneigtheitbesteht, unter erträglichen Bedingungen uns überhaupt voneinem Reste überschüssigen Silbers zu befreien.
Als eine solche Gelegenheit war seit dem Erlaß desMünzgesetzes im Jahre 1873 die Wiederaufnahme der Baar-zahlungen in Oesterreich angesehen worden, und zwar ausfolgendem Grund. Zur Zeit des alten deutschen Bundeswar zwischen den Ländern des ehemaligen Zollvereins undder österreichischen Monarchie im Jahre 1857 ein Münzver-trag geschlossen worden, der eine Art Geldgemeinschaft her-stellen sollte. Die Basis war die Silberwährung, und daswechselseitige Verhältniß kam in dem Maßstab zum Aus-druck, daß ein Thaler deutschen Gepräges soviel Feinsilberenthalten sollte als anderthalb Gulden österreichischen Ge-präges. Auf diesem Fuße sollten auch österreichische Münzenvon anderthalb Gulden und von drei Gulden geprägtwerden, welche als Thaler und Doppelthaler österreichischenGepräges auch im deutschen Verkehr zuzulassen wären.Nach den Ereignissen von l866 wurde dies Verhältniß ge-kündigt. Die österreichischen Thaler blieben aber im Verkehr.
Als Deutschland zur Goldwährung überging nndprovisorisch die Thaler mit einer Bewerthung gleich dreiMark in Gold beibehielt, wanderten die österreichischenMünzen, welche deutsches Bürgerrecht besaßen, begreiflicherWeise alle nach Deutschland . Als nun ferner der Silber-preis stark zu fallen begann und das Verkaufen der Thalerzum Silberpreis einen beträchtlichen Verlust für die deutschen Finanzen mit sich führte, sagte man sich, daß noch Hoffnungbleibe, für die österreichischen Thaler ohne diesen Verlustdurchzukommen, weil Oesterreich doch früher oder später zurWiederaufnahme seiner Baarzahlungen zurückkehren und