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Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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dann diese österreichischen Thaler zu einem Werth einlösenmüsse, der vom Fall des Silbers nicht berührt werdendürfe, gerade so wie es in Deutschland geschah. Darumverschob man es, bei der Einziehung von Thalern gegenGold, an die österreichischen zu rühren, bereitete sich aberauf deren Rücksendung nach Oesterreich vor für die Epoche,wo dieses einmal mit seiner Reform Ernst machen sollte.Dabei hatte man sich aber doch ein wenig verrechnet.

Bekanntlich ist gegenwärtig dieser Moment bevorstehend.Aber indem er näher rückte, ließ sich nicht erkennen, wie sichdie österreichische Reform zu den österreichischen Thalern ver-halten würde. Denn sie waren zwar auf österreichischenMünzstätten geprägt und trugen das Bild des Habsbur-gischen Kaisers, aber viel wichtiger als diele Herkunft unddieses Symbol war die Thatsache, daß sie sich sammt undsonders anf deutschem Gebiet befanden und daß ihre Besitzernicht das geringste Interesse hatten, sie nach Oesterreich zu-rückzuschicken, denn daselbst waren sie im besten FalleL Mark 60 Pfennige werth, während sie hier gleich 3 Markgalten. Wenn also die österreichische Regierung mit einemSchlag die Klappe zugemacht, indem sie in ihrem Gesetzblattevon heute auf morgen erklärt hätte, diese Thaler gelten über-haupt nicht mehr, so hätte sich keiner ihrer Angehörigen dar-über beschwert, und das Deutsche Reich hätte bei Einziehungdieser Stücke nichts gehabt als den trockenen Silberwerth,der zur Zeit nur etwa zwei Mark beträgt. Es hätte alsoeine Marck aufs Stück verloren. Nun war dagegen zu sagen,daß nach allgemeinen Nechtsgrundsätzen die österreichischeMonarchie wohl nicht befugt gewesen wäre, die von ihr ge-prägten Münzen plötzlich in 'Verruf zu erklären, wie einstdas Herzogthum Koburg - Gotha mit seinen berüchtigtenSechskreuzerstücken es gethan hatte, obwohl die Schande fürsie minder groß gewesen wäre, denn sie hatte die Thaler ihrerZeit vollwerthig ausgeprägt, und nur der zwischenzeitlichverminderte Preis des Silbers hatte dieselben entwerthet,während die koburgische Münze schon von Anfang an wenigerwerth war als ihr Name besagte. Aber wie dem seies gibt in Sachen internationalen Münzrechtes kein unbe-streitbares Gesetz und keinen Gerichtshof, bei dem ein Staatden andern verklagen könnte. Wenn also Oesterreich -Ungarnuns ruhig auf seinen Thalern sitzen lassen wollte, so wäreuns, um etwas Besseres zu erzielen, nichts übrig geblieben,als der Appell an die letzte Instanz, nämlich die der Kanonen.Dazu mochte sich das Deutsche Reich wohl nicht entschließen.Auch hatte Oesterreich noch einen guten Billigkeitsgrund fürsich. Es konnte nämlich sagen: Warum habt Ihr so thöricht