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Silber / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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lang gewartet? Hättet Ihr früher mir die Thaler angeboten,oder hättet Ihr sie früher selbst verkauft, so hättet Ihr vielweniger verloren und ich bei Abnahme auch. Warum wartIhr so ? Aber als guter Mensch und Verbündeter durfteOesterreich sich doch nicht schlechthin ablehnend verhalten undso kam es zu einem Vergleich, den nach Herkommenwohl beide Theile schlecht finden, aber doch besser als einenguten Prozeß. Oesterreich ließ sich herbei, ein Drittel diesesThalervorraths zu dem nominalen Werth von anderthalbösterreichischen Gulden zu übernehmen. Da der Gesammt-betrag der noch vorhandenen auf etwa achtundsiebenzig Mil-lionen Mark veranschlagt ist, so übernahm Oesterreich sechs-undzwanzig Millionen Mark zu dem Gegenwerth von drei-zehn Millionen Gulden, und diese Gulden waren zur Zeit desAbkommens in deutschem Geldwerth gleich 22 490000 Mark(der Gulden zu 1 Mark 73 Pf. gerechnet). Müßten wir dieselbenThaler heute lediglich zu einem Silberwerth von 39Penceper Unze verkaufen, so würden sie nur 17 700 000 Mark ein-bringen. Wir vermeiden bei diesem mageren Vergleich alsonach den Preisen jenes Moments noch immer eine Einbußevon etwa vier und dreiviertel Millionen Mark. Auf dieZwcidrittel der achtundsiebenzig Millionen, die uns bleiben,tragen wir den ganzen Verlust, und Alles in Allem gerechnetliquidsten wir, immer unter Zugrundelegung des entsprechendenMarktpreises, denVorrath von deutschen Thalern österreichischenGepräges mit einen: Minus von beiläufig zwanzig Millio-nen Mark.

Aber über den Nachtheil dieses Verlustes*) geht weitausder Vortheil, daß mit der Erbschaft des Jahres'1879 in be-deutungsvoller Weise aufzuräumen begonnen wird. In ge-gebener Zeit wird die Reichsregierung auf Grund der hierbesprochenen Maßnahmen die österreichischen Thaler außerVerkehr setzen und den Rest, der nicht an Oesterreich abge-geben wird, einschmelzen. Damit verschwindet wieder einTheil der Silberthaler, die gegen die Absicht und den Sinnder Reichsgoldwährung als vollwerthig gelten. Daß dannnoch ein Rest in den Kellern der Bank, und ein anderer inden Händen des Publikums bleibt, ist zwar unschön undfalsch. Aber gefährlich ist es nicht. Ob die etwa zwei-hundert Millionen Mark, die noch im Lande umgehen, alsDreimark- oder als Zweimarkstück dienen, hat nichts aufsich. Da die Fünsmarkstücke weder in Gold noch in Silber

*) Es ist überhaupt kein Verlust, der durch die Realisirung ent-steht, sondern einer, der durch sie tiquidirt wird. Bestehen thut er sowie so.