Druckschrift 
Die Geschäftswelt angesichts der Geschäftslage in Deutschland : ein Vortrag gehalten ... zu Mainz ... 1875 / von Dr. Ludwig Bamberger, Reichstagsabgeordneter
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

-

-8-

-

Zwei Umstände haben wesentlich mitgewirkt.

Der Eine, der glückliche Ausgang des Krieges. Esist natürlich, daß solche erhebende politische Ereignisse, welcheeine seit Jahren befürchtete Gefahr beseitigten und das Be-wußtsein der Nation in noch nie dagewesenem Maßstabehoben, verbunden mit der Erscheinung der kolossalen Kriegs-entschädigung, an die auch die menschlichen Zahlenbegriffenicht gewöhnt waren, auf die Fantasie einen verführerischenEindruck machen mußten.

Dazu kommt, wie die Kriegsentschädigung in der Thatbehandelt wurde. Es ist ein oft beregter Gegenstand, denich nur im Vorübergehen wiederholen will, daß nichtso gehandelt worden ist, wie nach Vorsicht und Welter-fahrung hätte gehandelt werden sollen. Die ganze Nationwar eigentlich zu sehr verblendet von dem Eindrucke einersolchen Kriegsentschädigung und zu ungeduldig, sich dieselbeanzueignen.

Wir sind nicht reich in Deutschland, und haben dieNachtheile davon damit bezahlen müssen, daß wir in einenIrrthum verfielen, in den arme Leute verfallen, wenn siezu einem großen Schatze kommen. Wir benahmen uns wieein armer Schuhmacher der in der Lotterie gewonnen. DerKollekteur sagt ihm: Sie können den ganzen Gewinn in 6Monaten haben, aber auch gleich, wenn sie sich einen großenAbzug gefallen lassen; und ungeduldig stürzt er sich sogleichauf das Geld.

Ich erinnere mich noch aus der Zeit, da jene Kriegs-entschädigung uns gewährt wurde, daß in Berlin, wo ichmich gerade damals befand, ich auf der Straße von jedemBekannten aufgehalten wurde mit der Frage: Glauben Sie,daß wir unsere 5 Milliarden ganz bekommen?" su

Und derselbe Sinn, der damals im Allgemeinen in derNation herrschte, war auch in unserer Regierung. UnsereReichsregierung war ganz ähnlich gestimmt. Sie zittertevor dem Gedanken, es möchte irgend Etwas in der Welt