VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.
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maler“ oder „Heiligendrucker“ ßheinen ausßhließlich, aber auch nur vorübergehend, inder Stadt Bafel vorzukommen und zwar zuerß 1468 (Lienhart Yffenhut).
Bisher mußte Deutfchland als das Urfprungsland des Bild - Holzßhnittes betrachtetwerden, und zwar deuten die älteften auf uns gekommenen Originale nach Tirol,dennoch wäre es nicht völlig ausgeßhloffen, daß die Wiege noch etwas füdlicher, nämlichin Nord-Italien ftand. Erhalten ift uns allerdings nichts, was diefe Vermuthung glaubhaftmachen könnte, denn die älteften italienißhen Einzelblätter reichen kaum bis 1460 zurück,doch wißen wir aus der bereits angezogenen Verordnung von 1441, daß „die Kunß unddas Handwerk der Karten und gedruckten Bilder“ damals zu Venedig in ftarkem Nieder-gang begriffen war, fleh mithin in einer vorherliegenden Zeit in Blüthe befunden habenmuß. Ich möchte hierbei befonders auf die italienißhen Hochzeitstruhen des 14. Jahr-hunderts (Caffone) aufmerkfam machen, deren Ornamente in Stuckrelief (ceflo-duro)mittels Holzmodeln gepreßt find. DenTapeten nachgebildet, zeigen fie fchwarz auf rothemoder roth auf fchwarzem Grunde neben anderen Verzierungen auch Bildgruppen vonetwa 180:120 mm, welche Liebespaare, Jäger oder Jägerinnen mit Falken auf der Hand,Könige zu Pferde und ähnliches darßellten. Die hierzu verwendeten Holzmodel findviel zierlicher als die Zeugdruckmodel geßhnitten, fo daß die Kunß, in Holz zu graviren,am Ausgange des 14. Jahrhunderts zweifellos in Italien auf hoher Stufe ßand. DieMöglichkeit, daß neue Funde uns zwingen werden, diefem Lande auch in Bezug auf denBildholzßhnitt einen völlig anderen Plat 3 als bisher einzuräumen, ift mithin nicht vonder Hand zu weifen, und thatfächlich ift bereits im vergangenen Jahre auf dem Gebiete,welches für uns am meiften in Frage kommt, eine nicht unwefentliche Entdeckung ge-macht worden. Bis dahin waren als einziges italienißhes Blockbuch die Opera novacontemplativa bekannt, welche in Venedig und zwar keinesfalls vor 1510 gefchnitten find.Wie ich einer privaten Mittheilung verdanke, hat aber der Herzog von Rivoli neuerdingsfeftgeßellt, daß die Platten einer xylographifchen Paffion, die fich in Folge ihrer Eigen-art bisher nirgends recht unterbringen ließ, im zweiten Zußande in den Devote Medi-tazione sopra la Passione, Venezia, Hieronymo di Sancti 1487 abgedruckt find. DieOriginalausgabe dürfte in der Zeit zwifchen 1465—70 entßanden fein, und wir kennenjetjt alfo auch ein italienißhes Blockbuch, das aus derfelben Zeit ftammt, in welcher diefeArt von Werken in Deutfchland und den Niederlanden befonders beliebt war. 7 Dagegenentßammen die durch Berjeau und Dutuit in den Vordergrund gerückten, gewöhnlichauf Pergament gedruckten niederbretonifchen Seemannskalender erß einer fpäteren Zeit.Das mehrfach citirte Exemplar des British Mufeum iß deutlich mit der Jahreszahl 1537verfehen, und diefes Inßitut befitjt noch verßhiedene andere, die erß der zweiten Hälftedes 16. Jahrhunderts angehören. Damit ßheidet alfo Frankreich von vornherein fürdie Blockbuch-Frage völlig aus.
Was die auf deutfehem Boden entftandenen Holztafeldruckwerke betrifft, fo iß einnicht unbeträchtlicher Theil derfelben mitjahreszahlen verfehen oder doch ziemlich genaudatirbar. Von den beiden Ausgaben der Armenbibel iß die eine 1470 von FriederichWalthern in Nördlingen, die andere 1471 von Hans Spoerer zu Nürnberg angefertigt.Diefelben Jahreszahlen tragen auch die beiden Ausgaben des Defensorium inviolataevirginitatis Mariae ; dieerfte hat der obengenannte Walthern, die zweiteJohannes eyfenhutin Regensburg veröffentlicht. Von den beiden Ausgaben des Antichriß iß die fpätere