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W. L. SCHREIBER
einzelne Spielkarte den Gedanken zurVervielfältigung eines Heiligenbildes anregte, alsdag ein Kartenmacher aus einem folchen die Idee fchöpfte, große Holztafeln zur Spiel-karten-Fabrikation anzufertigen. Ferner waren die Spielkarten von vornherein einHandelsartikel, während Heiligenbilder zunächß wohl nur als Erinnerungsblätter anWallfahrer vertheilt wurden und berufsmäßige Holzfchneider, die mit religiöfen undprofanen Bildern Meffen und Märkte bezogen, kaum viel vor 1440 aufgetreten fein dürften.
Ein paar Heilige wie Chrißoph, Dorothea, Georg, Hieronymus, Magdalena, Sebaßianund Veronika, einige Scenen aus dem Leben und Leiden Chrifii, das jüngfte Gerichtund wenige Marienbilder find alles, was wir an xylographifchen Darftellungen aus demerften Drittel des 15. Jahrhunderts befitjen. In der Technik fehlte es noch an der Ein-heitlichkeit; einige Blätter (cheinen von Holzbildhauern gefchnitten zu fein, bei anderenläßt der mit Arabesken oder Sternen ausgefüllte Hintergrund auf einen für den Zeug-oder Tapetendrude thätigen Modelfchneider Schließen, wieder andere gleichen völlig einerHandzeichnung und find zweifellos von Geißlichen felbß ge(chnitten. — Schon im ^.Jahr-hundert war es an manchenWallfahrtsorten üblich gewefen, den Pilgern bleierne Medaillenals Andenken zu überweifen, und es wäre daher wohl denkbar, daß unter dem PontifikatBonifacius IX. (1389—1404), der mehreren Orten in Italien und Deutschland das Rechtverlieh, päpßlichen Ablaß zu gewähren (was bis dahin ein Vorrecht Roms gewefen war),an letzteren die Sitte aufkam, Heiligenbilder als Erinnerungszeichen zu vertheilen. Fandfich irgend ein Mönch, der die nöthige Geschicklichkeit befaß, fo Schnitt diefer das Blattin Holz, fonß beauftragte man irgend einen in der Nähe des Wallfahrtsortes wohnendenSchreiner oder fonftigen mit der Holzbearbeitung vertrauten Profeffionißen mit der An-fertigung des Holzßockes.
Daraus erklärt es fich auch, warum für die Heiligenbild-Holzfchneider in den einzelnenStädten fo verfchiedenartige Bezeichnungen exißirten, bis im lebten Viertel des 15. Jahr-hunderts der Ausdrude „Formfehneider und Briefmaler“ fich einzubürgern begann unddann dauernd erhielt. In Nördlingen (cheinen fie die einfache Bezeichnung „Schreiner “(1449 Jörg, 1470 Hürning) geführt zu haben; in Ulm hingegen „Sehniger“ (1398 Ulrich,1441 Peter von Erolzheim, Jörg u. f. w.), was urfprünglich wohl Holzbildhauer bedeuteteund dem Beruf der tailleres ymagiers entfprach, die fich 1391 unter den Mitgliedern derSt. Lucas-Gilde zu Paris aufgezählt finden. Das Wort „ Drucker,“ gleichbedeutend mit demniederländifchen prenter, findet fich ziemlich gleichzeitig in Frankfurt a. M. (1356 Hartwich)und in Nördlingen und bezeichnete ficherlich einen Zeugdrucker. Davon abgeleitet ift „Auf-drucker,“ ein in Regensburg mehrfach angewendeter Ausdruck (1460Margko Rotnfeld,1461Wenczl maler,1471Johannes Eyfenhut),der fich aber auch zweimal in den Nürnberger Akten(1461 Franz Veßenberger, 1464 Merten Kolberger) findet. Das Wort „Formfehneider,“dem niederländischen printsnyder entfprechend und zunächftwohl einen Zeugdruckmodel-(chneider bedeutend, läßt fich zum erßen Male in Nürnberg (1423 Hans Pömer), etwas fpäterin Straßburg (1440 Joh. Meidenbach) nachweifen. Den Titel „Briefmaler“ führt zuerß 1434HansWachter inUlm; erverbreitetefich dann nach Nürnberg (1459 Dürnrot),Augsburg (1474Kropfenßein),Regensburg (1481 UlrichKetner),Bafel (1489Jacob Reideler);dem früheren„Briefdrucker“ begegnen wir in Nördlingen (1428 Wilhelm), dann kommen Frankfurt a. M.(1459 Hans von Pedersheim), Regensburg (1463 Görg), Bafel (1478 Chriftoffel) an dieReihe, doch ver(chwindet der Ausdruck bald darauf völlig; die Bezeichnungen „Heiligen-