Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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DER TÜRKENKALENDER FÜR 1455

EIN WERK GUTENBERGS.

[iE kleine Druckschrift, die uns hier befchäftigen foll, wurde im Jahr 1806[in der Jefuitenbibliothek zu Augsburg entdeckt und kam von da in die Hof-jund Staatsbibliothek oder, wie fie damals hieß, Centralbibliothek zu München .[Der Direktor diefer Bibliothek, J. Chri(iian Freiherr von Aretin, hat (ich zu-jerß eingehend mit ihr befaßt, auch ein lithographifches Facßmile herausge-[geben, das aber nicht genügen kann und nunmehr durch die hier beigefügtenj Lichtdrucktafeln erfetjt wird . 1 Von der Linde hat einen Teil des Textes un-genau Wiederabdrucken laßen und einige Bemerkungen beigefügt, worin dieXII nuwe, von denen ich noch zu handeln haben werde, als zwölf günfligeI Zeichen am Himmel auftreten . 2 Eine gute Abbildung der erften Seite enthältj Könneckes Bilderatlas zur Gefchichte der deutfchen Nationallitteratur . 3

Das Werkchen befteht aus fechs Blättern in Quart, die lofe nach der Folgeides Textes hinter einander in einer Mappe liegen. Die Rückfeite des fünften! Blattes und das fechfte find unbedruckt. Als Aretin (chrieb, war es noch ge-i bunden, die Blätter lagen halbbogenweife in einander und das letjte (leere) Blattwar im Einband zum erften gemacht. 4 Auf diefeWeife lagen drei halbeBogen in einander;urfprünglich aber muß fich an zwei in einander gelegte halbe Bogen ein dritter halberhinten angefchloffen haben, die Blätter 5 und 6 (leer) enthaltend. Es liegt nahe, zu ver-muten, daß die zwei in einander gelegte halbe Bogen (Bl. 1-4, 2-3) urfprünglich einenganzen Bogen gebildet hätten und auch als ganzer Bogen gedruckt worden feien. Demwiderfpricht jedoch die Stellung des Waßerzeichens. Es erßheint in der Mitte des oberenRandes des aus den Blättern 2 und 3 gebildeten früheren Halbbogens, gefpalten durchdeffen frühere Faltung und fpätere Zertrennung in die beiden Blätter. Sein obererTeil durch den oberen Blattrand abgeßhnitten. Man müßte den fehlenden Teil amoberen Rand der Blätter 1 und 4 finden, wenn diefe mit 2 und 3 urfprünglich einen Bogengebildet hätten. Oder man müßte Befchneidung des Bogens annehmen, die den oberenTeil des Waßerzeichens befeitigt hätte.

DasWafferzeichenßellt einen Mohrenkopf dar, deffenStirn von einer Binde mit herabhängenden Zipfelnumwunden ift. Es foll eine venetianifche Marke fein.

Ich kann den Mohrenkopf mit Stirnbinde auch fonßnachweifen, aber nicht in der gleichen Form. GotthelfFifcher 5 hat ihn aus Mainzer , Ernß Kirchner 6 ausFrankfurter Archivalien beigebracht; Kirchner aus den Jahren 1380, 1387 und um 1425,.Fifcher aus den Jahren 1381, 1403, 1416, 1427. Gutermann gibt ihn aus dem XIV. Jahr-hundert und aus dem Jahr 1415 in zwei Abbildungen, die denen Kirchners fehr gleichen. 7Auch dasalte Weib mit warziger Nafe, ein Band mit herabhängender Schleife um daslockige Haar, das Fifcher aus dem Jahr 1453 anführt, 8 möchte ich für den Mohrenkopfhalten. Das Papier felbß ift ßark und rauh.

Am Kopf fteht der Titel: Eyn manüg d crißeheit widd die durke. Der Druck20;zeilig. Die Typen find die der 36zeiligen Bibel.

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Bl. 2 V

Bl. 3 r