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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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SCHLUSSWORT

S TATT in einem immerhin etwas aufdringlichen Vorwort mag hier am Schluffe unferer Feßfchrift die Ent-ßehungsgefchichte derfelben kurz erzählt werden. Diefe mitzutheilen, fchon deßhalb nöthig, weil fieallein die Thatfache erklärt, daß mit der Feßfchrift eine zweite Ausgabe von ihr in dem 8. Bande derBeihefte zu dem von mir herausgegebenenCentralblatt für Bibliothekswefen erfcheint.

Ungefähr gleichzeitig mitdem Auftauchen der Idee, den fünfhundertjährigen Geburtstag Joh. Gutenbergsin Mainz feßlich zu begehen, verhandelte ich zufällig mit dem fcharffinnigen Gutenbergforfcher, HerrnArchivrath Dr.Wyß in Darmßadt wegen eines Beitrags für das von mir redigirte Blatt. Herr Dr. Wyß erklärte[Ich bereit, einen Auffaß über die bekannten Ablaßbriefe von 1454 u. 55 zu liefern, wünfchte aber, daß ihmmehrere große photographifdie Tafeln beigegeben würden. Da diefes dem Verleger desCentralblattesnicht zuzumuthen war, kam ich auf den 1 Gedanken, die Stadt Mainz könne hierzu einen Beitrag leiftenund feßte mich durch einen Freund in Verbindung mit Mainzer Autoritäten, die fich fofort zur Beihülfebereit erklärten. Mein Plan erweiterte ßch hieraufhin. Schon 1894 hatte ein amerikanifcher Gelehrterin ganz unverfänglicher Weife Herrn Otto Harraffowiß in Leipzig mitgetheilt und mir dann mehrfachbrieflich betätigt, er habe vor nicht langer Zeit mit einigen anderen namhaften Männern im VatikanifchenArchive zu Rom einen Briefwechfel zwifchen mehreren Päpßen und der erzbifchöflichen Curie in Mainz über die hier entßandene Buchdruckerkunß und deren mögliche Folgen für.das kirchliche Leben gefehen.Diefe Nachricht, welche midi veranlaßte, wiederholt briefliche und dann auch perfönliche Nachfragen in Rom anzuflellen, legte mir den Gedanken nahe, die etwa aufgefundenen Urkunden zu einer Feßfchrift für dieMainzer Säcularfeier zu verwerthen. Leider [teilte fich im Laufe meiner Nachforfchungen heraus, daß diefragliche Angabe entweder auf einer Verwechslung oder fonjt einem Irrthume beruht. Jedenfalls i[tße unkon-trollirbar geblieben. Während fielt der Briefwechfel hierüber noch hinzog, hatte ich mit Herrn Dr. Wyßüber eine Feßfchrift weiter verhandelt, und diefer erklärte fich bereit, mir verfchiedene Abhandlungen zuihr beizußeuern. Hierauf geßüßt trat ich der Ausführung des Planes nun näher und überlegte, ob esnicht angängig fei, diefe Sammlung von Auffäßen zur Entßehung der Buchdruckerkunß mit der etwa vonMainz aus ins Leben zu rufenden zu vereinigen. Die Verfchmelzung beider Unternehmungen fchien mirzweckmäßig zu fein, fchon um unvermeidliche Wiederholungen und Störungen auf Einem Arbeits-gebiete zu verhüten. Ich wandte mich deßhalb im Herbße 1897 an den Herrn Stadtbibliothekar ProfefforDr. W. Velke in Mainz und trug ihm meine Idee vor. Diefer ging bereitwillig^ auf fie ein und befür-wortete fie bei dem Herrn Oberbürgermeißer Dr. H. Gaßner, der fich auch mit ihr einverftanden erklärte.Die Verhandlungen über diefelbe kamen aber erft im Herbft 1898 in den rechten Fluß, fo daß ich nacheiner Befprechung mit dem von dem Herrn Oberbürgermeißer beauftragten Herrn Dr. Velke zur Aus-führung fchreiten konnte. Vor Allem galt es jeßt weitere Mitarbeiter zu werben, da es fich herausßellte,daß Herr Dr. Wyß beim beften Willen aus gefundheitlichen Gründen wenigßens nicht allen feinen Ver-fprechungen werde gerecht werden können. Da von der Ausarbeitung einer eigentlichen BiographieJ. Gutenbergs fchon aus den oben(S.21.Anm. 1) angedeuteten Gründen nicht die Rede fein konnte, fchien esmir angezeigt, nur Baußeine zu einer Gefchichte des großen Erfinders und feines Werkes in der Feßfchriftzu vereinigen, und diefe durch eine Einleitung, in welcher das, was wir ßcher über die Gefchichte Guten-bergs wiffen, kurz zufammen gefaßt würde, bei dem Lefer einzuführen. Die Auswahl diefer Baußeinemußte nach einem beßimmten Plane ßattfinden, ßch aber doch auch wieder nach den vorhandenen Arbeits-kräften richten, namentlich da die Zeit zu drängen begann. Welche Schwierigkeiten hierbei zu überwindenwaren, wird Jeder leicht ermeffen, der einmal eine ähnliche Aufgabe zu löfen unternommen hat.

Nachdem ich meinen Plan entworfen hatte und zudeffen Ausführung die nöthigen Mitarbeiter gefundenzu haben glaubte, legte ich denfelben am 22. April 1899 einer vom Herrn Oberbürgermeißer Dr. Gaßner ein-berufenen Verfammlung von Mainzer Notabein und auswärtigen Sachverßändigen vor. Nach ihm follten imAnfchluffe an meine fchon damals abgefaßte Einleitung zunächß die technifchen Künße in Auffäßen be-handelt werden, welche vor der Erfindung der Typographie durch Gutenberg auf verfchiedenen Gebietenzu Vervielfältigungszwecken zur Anwendung gebracht worden waren, darauf ein Stammbaumder Familie desErfinders und ein möglichß vollßändiges Urkundenbuch zu deffen Leben und Werk folgen, einige Arbeitenüber die früheßen Produkte der Mainzer Preffe und deren Technik geliefert und fchließlich Ueberßchtenüber die von Mainz ausgehende Verbreitung der Typographie durch die wichtigßen Kulturländer des aus-gehenden 15. Jahrhunderts dargeboten werden. Zahlreiche gut ausgeführte Tafeln in Lichtdruck follten