Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

ZUR FRÜHESTEN VERBREITUNG DERDRUCKKUNST

I. VON MAINZ NACH ELTVILLE .

ACH der Auflöfung feiner Geßhäftsverbindung mit Fuß durch den Prozeß vomJahre 1455 war Gutenberg wieder mittellos geworden. Das von ihm mit FußsGeld angefertigte Druckgeräth war diefem verfallen. Gutenberg druckte mitdem ihm verbliebenen Apparat der 36zeiligen Bibel in den folgenden Jahrennoch einige kleine Schriften und nahm den von ihm früher begonnenen Druckdiefer Bibel felbß wieder auf, aber alles Ringen war vergeblich; vom Jahre1458 ab konnte er feinen Verpflichtungen gegen das Thomasßift in Straßburg nicht mehr nachkommen. Das Geheimniß feiner Erfindung war in Folge desProzeffes preisgegeben, die Firma Fuß und SchöfFer nahm das Druckgeßhäftin Mainz mit reichen Mitteln und in großem Maßßabe fofort auf. AlbrechtPfißer, der wohl ßhon in der Druckerei Gutenberg -Fußs thätig gewefen war,erhielt das Typenmaterial der 36zeiligen Bibel mit den bereits fertigen Bogenund brachte die neue Kunß nach Bamberg , Mentelin wahrßheinlich um diefeZeit nach Straßburg .Die Buchdrucker vervielfältigen ßch auf der Erde. 1Die erße Verbreitung der Druckkunß war damit gegeben, die zweite allge-meinere wurde durch die Eroberung der Stadt 1462 veranlaßt; ße trug die Mainzer Er-findung in die Welt hinaus. Ihre Verbreitung und ihre Entwicklung in Frankreich, Italien und Spanien wird in den folgenden Abhandlungen diefer Schrift von berufener Seiteeingehend erörtert werden, einzelne Bemerkungen über aus Mainz ausgewanderte Buch-drucker werde ich weiter unten bringen; hier möchte ich zunächß die weitere Entwicklungder Druckthätigkeit in Mainz felbß und in dem benachbarten Eltville Gutenbergs zweite Buchdruckerei, für die namentlich das Catholicon in Betracht kommt in derdurch den Rahmen diefer Feßfchrift gebotenen Knappheit befprechen.

Ueber Gutenbergs Thätigkeit als Drucker nach feiner Trennung von Fuß haben wirkeine unmittelbare Nachricht, kein Druck trägt feinen Namen, wir erfahren nur, daß infeinem Nachlaß Typen und ein Druckapparat ßch vorgefunden haben, die Eigenthum desMainzer Stadtfyndikus Dr. Humery waren. Es möchte ßch empfehlen, die wenigenficheren Nachrichten hier zufammenzußellen, die wir über Gutenberg aus diefer fpäterenZeit überhaupt beßtjen, foweit ße thatfächlichen Auffchluß geben und die Grundlage fürdie wiffenßhaftliche Behandlung diefer Fragen bilden müffen.

Aus den Rechnungsbüchern des S. Thomas-Stiftes zu Straßburg (Schorbach in dieferSchrift Nr. XXII) ergiebt ßch, daß Gutenberg von Martini 1458 an mit den Zahlungen andas Stift im Rückßand geblieben. Die deßhalb im April 1461 beim Hofgericht zuRottweil eingereichte Klage gegen Gutenberg (Schorbach Nr. XXIII) blieb erfolglos.

Durch ein Dekret des Erzbifchofs Adolf wurde im Jahre 1465 wegen derannemigevnd willige dinß, die vns und vnßerm ßifft vnfer lieber getruwer Johann Gudenberg ge-thain hait diefer zum Hofdienß angenommen (Schorbach Nr. XXV).

In dem Revers vom 26. Februar 1468 beßheinigt der als Führerder demokratißhenPartei aus den Mainzer Verfaflungskämpfen bekannte Stadtfyndikus Dr. Konrad Humery,

* ni