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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.

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bis 1483 im Hotel de Chaponay eine Wittwe Copin Dayre, welche alsmaistresse despresses bezeichnet wird, worunter wir ficherlidi eine Begtjerin von Zeugpreffen zu ver-gehen haben. Für Italien beweig das bekannte Einfuhrverbot von 1441, in dem auch be-druckte Stoffe aufgezählt werden, fowie dag ein befonderes Kapitel in Cennino Cenninis Trattato della pittura der Hergellungsweife derfelben gewidmet ig, dag in Venedigdie Zeugdruckfabrikation in Blüthe (fand. Ebenfo verräth fleh auf einer Anzahl uns er-haltener Stoffrefte fo deutlich der in Süddeutfchland und den benachbarten Alpenländernheimifche Kunftgil, dag das Begehen von Zeugdruck-Werkftätten in jener Gegend augerZweifel geht, aber gerade der Hauptgt 3 der damaligen Fabrikation für Deutghlandfcheint noch nicht ermittelt. Man fucht ihn in Cöln, aber fo viele Maler, Seidenfticker, Glas-maler und fonftige Kunfthandwerker in den dortigen Urkunden, die feit dem 12. Jahr-hundert erhalten find, auch verzeichnet gehen, einen Zeugdrucker hat man noch nichtgefunden, und als erger Formfehneider ig 1526Franz Formengecher, einWale erwähnt.Wir werden annehmen dürfen, dag die Zeugdrucker an denjenigen Orten thätig waren,in denen die Zeugfabrikation eine hervorragende Rolle fpielte, und vielleicht führt unsdaher das in den Jahren 14421458 geführte Handlungsbuch des Ulmer KaufmannsOtt Ruland auf den richtigen Weg. 6 Diefer Handelsherr, der ein recht bedeutendes Ge-ghäft in Tuchgoffen machte, bezog den weitaus grögten Theil derfelben aus Aachen , undnur in den beiden lebten Jahren finden wir auch Cölner Tuche in feinen Rechnungenerwähnt. Ob alle diefe Stoffe in Aachen felbft hergeftellt wurden oder ob diefer Ort vor-nehmlich als Lagerplatj für niederländighe Tuche zu betrachten ig, mag dahin gegelltbleiben, aber wir dürften kaum das Unrechte treffen, wenn wir die Niederlande und denihnen nächggelegenen Theil Deutfchlands als Hauptfit} der Zeugdruckerei anfehen.

Stiligrte Blatt-und Blumenmufter bilden neben DarftellungenvonThierenverfchiedenerGattung das Hauptmotiv der Zeugdruck-Ornamentik, doch kommen vereinzelt auchmenghliche Figuren vor. Aber felbft im letjteren Falle ift, abgefehen von wenigen, meigfpäterer Zeit angehörenden Ausnahmen, der kunggewerbliche Charakter vorherrfchend.Der Uebergang zum eigentlichen Bilddruck, d. h. zur Herftellung von Holztafeln, dieauf Papier oder Pergament abgedruckt werden follten, (cheint geh, foweit auf Grund deruns erhaltenen Originale ein Urtheil möglich ig, erft gegen den Ausgang des 14. Jahr-hunderts vollzogen zu haben.

Hierbei ig ein direkter Uebergang vom Stoffmufter zum Heiligenbild kaum zu ver-muthen, vielmehr dürften die Spielkarten das verbindende Mittelglied gebildet haben.Die letzteren wurden urfprünglich mit der Hand gezeichnet, doch artete das Kartenfpielengegen Ende des 14. Jahrhunderts zu einem folchen Lager aus, dag es allenthalben ver-boten wurde, beifpielsweife in Nürnberg 138084, in Cagilien 1387, in Ulm und Paris 1397, in Augsburg 1400, 1403 und 1406. Man darf wohl annehmen, dag zu jener Zeitdie Nachfrage nach Spielkarten fo grog war, dag die Kartenmacher derfelben kaum zugenügen vermochten und daher zwecks fchnellerer Hergellung die Contouren derfelbendurch Holzghnittdruck hergellten. Diefe Annahme gewinnt auch durch andere Erwägungenan Wahrßheinlichkeit. Wir haben erfahren, dag die zum Zeugdruck verwendeten Holz-tafeln ein fehr groges Format hatten, und folch groger Platten bedienten geh auch dieKartenmacher zur Herftellung der Spielkarten. Sie verkauften die letjteren aber nichtin Bogen, fondern zerßhnitten, und es ig daher wohl eher zu vermuthen, dag eine