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W. L. SCHREIBER
Nationale ift nicht mehr in ihrem Originalzuftand, fondern auf einem Holzblock ausjüngerer Zeit befeftigt, fo daß (ich zwar nicht mehr die ursprüngliche Stärke feßftellen läßt,wohl aber erweislich ift, daß fie niedriger als die Typenhöhe war, da fonft das Erhöhenja unnöthig gewefen wäre. Die Typen haben fich mithin nicht der Stärke der Holztafelnangepaßt, fondern die letzteren mußten fleh, als der Holzßhnitt für die BücherillußrationVerwendung fand, der Höhe der erfteren anbequemen. Wenn Speclin und Andere ver-fichern, in alten Druckereien „in Holz gefdinittene Buchßaben, auch ganze Wörter undSyllaben“ gefehen zu haben, fo iß die Thatfache an ßch nicht anzuzweifeln, denn der-gleichen Titel- und Vorrede-Verzierungen waren am Ende des 15 . und in der erftenHälfte des 16 . Jahrhunderts gang und gäbe, aber die betreffenden Autoren täufchten ßchin Bezug auf das Alter derfelben.
Diefe Täußhung hinßchtlich der Entßehungszeit der xylographißhen Erzeugniffe hatfeit Jahrhunderten die allgemeine Anßhauung derartig beeinflußt, daß meine bisherigeindirekte Beweisführung diefelbe Schwerlich erßhüttern dürfte. Man beruft ßch wenigerauf die geringen Ueberbleibfel xylographißher Donate, als auf die in ziemlicher Zahl unserhaltenen Blockbücher d. h. jene Werke, bei denen Bild und Text gemeinfam in Holzgefchnitten find, und es wird daher meine nächße Aufgabe fein, nachzuweifen, daß diefekeine Vorläufer der Buchdruckerkunß find, fondern erft entftanden, als Gutenberg bereitsmit den Erßlingen feiner Erfindung an die Oeffentlichkeit getreten war.
Während noch vor fechszig Jahren allgemein die Anficht verbreitet war, daß der Zeug-druck erß nach Erfindung der Buchdruckerkunß aufgekommen fei, haben uns einige vorwenigen Jahren gemachte glückliche Funde R. Forrers belehrt, daß bedruckte Stoffe ßhonim 6. Jahrhundert unferer Zeitrechnung in Aegypten getragen wurden. Die ursprüng-liche Methode, von der bereits Plinius d. Aeltere berichtet, und die auch heute noch beiaßatifchen Völkerfchaften im Gebrauch iß, beftand darin, daß die Färber die Ornamente ausfreier Hand mit einer mit flüffigem Wachs gefüllten Tute, die an der Spitje eine kleineÖffnung hatte, auf den Stoff zeichneten. Das fo präparirte Zeug wurde in einen Farb-keffel getaucht; die mit Wachs getränkten Stellen nahmen die Farbe aber nicht an, fo daßdas Mußer weiß auf farbigem Grunde ßch zeigte. An Stelle diefes Verfahrens trat, wie gefagt,im 6. Jahrhundert in Aegypten eine Mißhung von Druck und Handarbeit. Der Färberbenutjte kleine hölzerne Handftempel, in welche verschiedenartige Mußer gravirt waren,und druckte ße, nachdem er ße mit Farbe verfehen hatte, in beliebiger Entfernung voneinander ab und fügte darauf die verbindenden Linien aus freier Hand hinzu. DiefeManier, bei welcher immer noch dasMeiße von dem Geßhmack und der Handfertigkeitdes Färbers abhing, gelangte im 11. oder 12. Jahrhundert nach Europa und blieb längereZeit die ausßhließlich übliche. Der Druck von feßen Platten, den ich am deutlichstenvielleicht mit dem Ausdruck „Tapetendruck“ kennzeichne, und der an den Drucker über-haupt keine andere Anforderung mehr ßellt, als die Holztafel, die obenein noch voneinem Andern gravirt fein kann, mit Farbe zu verfehen, fcheint erft im 13 . Jahrhundertaufgekommen zu fein. Die Platten nahmen immer mehr an Ausdehnung zu, bis ße Schließ-lich eine durchschnittliche Flächengröße von 1800 qcm erreichten.
Weniger unterrichtet ßnd wir über die einzelnen Herßellungsorte. In Spanien müffenbedruckte Stoffe ziemlich früh getragen worden fein, da ßhon 1234 Jacob I. , König vonArragonien , verbot, daß die „Estampados“ verbrämt würden. In Lyon wohnte von 1472