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W. L. SCHREIBER
1472 zu Nürnberg durch Jung hannß (identißh mit Hans Spoerer) gefchnitten worden,und von ihm (lammt auch eine 1473 erßhienene Ausgabe der Ars moriendi. Letzterelägt uns zugleich mit voller Sicherheit erkennen, dag zwei andere Ausgaben desfelbenBuches, welche die Adreffe des Ludwig ze ulm tragen, früheftens 1470 erphienen feinkönnen. Auf einem Bilde des Salve Regina nennt (ich . lienhart .*. czv. reginspurckals Urheber, und diefes iß höchß wahrßheinlich der Briefdrucker Lienhart Wolff, der1463 dort das Bürgerrecht erhielt. Die Mirabilia Romae, das umfangreichße aller Block-bücher, dejfen Text 184 Oktavfeiten füllt, find mit dem Wappen des Papftes Sixtus IV. gefchmückt und müffen daher zwißhen 1471 und 1484 entßanden fein. Hartliebs Chiro-mantie trägt in fpäterer Auflage die Verlags-Adreffe des iorg fchapff zu augfpurg, einesBuchbinders, der 1478 zum erßen Male in den dortigen Steuerbüchern nachweisbar ißund 1517 ftarb; ein Werk über die Ringkunß hat Gedrückt zu landshüt Hanns Würm,deffen Name zwißhen 1501 und 1504 in den dortigen Bürgerbüchern verzeichnet ßeht.Unter den Kalendern ift der umfangreichße der Regiomontankalender; er iß für dieJahre 1475—1530 berechnet und kann daher auch nicht vor 1475 erfchienen fein; von ihmgiebt es eine zweite oder dritte Auflage, welche die fonderbare Bezeichnung maister hansbriefftruck zu berg trägt. Ich möchte glauben, dag es ßch um den bereits mehr-
fach genannten Hans Spoerer handelt, da diefer urfprünglich in Nürnberg wohnte, um1493 aber feinen Wohnßtj nach Bamberg verlegte. Ferner giebt es zwei einander fehrähnliche Kalender, deren einer die typographißh hinzugefügte Adrefle des Leipziger Buchdruckers Cunradt Kachelouen, der andere die Angabe Gedruckt zu Mentz trägt.Proctor hat durch Typenvergleichung das Erßheinen des erfteren zwißhen 1487 und 1494feßgeftellt und in dem zweiten Peter Schöffers feit 1484 verwendete ßebenteType erkannt.Bezüglich des letjteren mug ich jedoch bemerken, dagweder der Dialect des Buches nochdas darin enthaltene Stadtwappen etwas mit Mainz zu thun haben; ich halte ihn für einfchwäbifches Erzeugnig und kann Schöffer nur als Buchführer betrachten, der vielleichtdie Platten an ßch gebracht hatte. Etwa aus der nämlichen Zeit ßammt auch ein kleinerKalender, auf dem ßch ludwig zu baffel als Herausgeber nennt. Diefer könnte wohl mitdem Kartenmacher Ludwig Bottßchuh identifch fein, von dem ßch urkundliche Nachrichtenaus dem Zeitraum von 1484—1494 erhalten haben. Xylographißhe Wandkalender end-lich erfchienen von etwa 1465 bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts hinein inßattlicher Zahl; namentlich machten der von etwa 1484—1515 in Nürnberg thätige Illu-miniß Jorg Glogkendon und der von 1530—1548 erß in Regensburg, dann in Augsburg anfäfßge Hanns Hofer aus deren Herftellung eine Spezialität. 8
Diefe Blockbücher , deren Mehrzahl aus den Jahren 1470—75 ftammt, die uns aberauch beweifen, daß ßch die Anfertigung derfelben bis in das 16.Jahrhundert hineinzog,führen uns nur diejenige Periode vor Augen, in welcher ßch die Holzßhneidekunft be-reits zu folcher Gefchicklichkeit heraufgearbeitet hatte, dag ihr die Wiedergabe von Textnicht viel größere Schwierigkeiten als die von Bildern bereitete, ja in der man ßch fogaran die Reproduktion von Werken wagte, welche, wie die Mirabilia Romae, faß nur ausText beßanden. Wir müjfen uns daher jetjt jenem Zeitraum zuwenden, in welchem dieHolzfchneidekunß ßch entwickelte, und über ihn giebt uns nichts beffere Auskunft als derCodex Palat, germ. 438 der Heidelberger Univerßtätsbibliothek, welcher nicht wenigerals ßeben Blockbücher enthält. Die früheße Stufe zeigt ßch uns in einer „Armenbibel“