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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.

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(XLV). Objchon der Holzjchneider einen ziemlich bedeutenden Grad von Routine bewies,indem er für das Werk vier Paffepartouts herßellte und in deren leergelaffene Felder dieauf kleine Holzßöcke gejchnittenen einzelnen Bibelbilder nachträglich eindruckte, fo finddoch nur die wenigen innerhalb der Bilder vorkommenden Namensbezeichnungen undInßhriften xylographißh hergepellt, während der gefammte Text handjchriftlich hinzu-gefügt ip. Diefelbe Stufe vertritt auch dasSymbolum Apostolicum', die Namen derApoßel und Propheten find in Holz gephnitten, für die handjchriftliche Einfchaltung desverhältnismäßig nur kurzen Textes ip aber auf jedem Bild entfprediender Raum ausge-fpart. Einen ziemlichen Schritt weiter führt uns dieFabel vom kranken Löwen, dennin ihr find nicht nur Bandrollen mit in Holz gefchnittenen Ausfprüchen in beträchtlicherZahl vorhanden, fondern unterhalb des einen Bildes befindet ßch fogar ein mehrzeiligerxylographifcher Text. DieZehn Gebote find das erPe Werk, bei dem die Hand desSchreibers überhaupt nicht mehr zur Geltung gelangt; allerdings ip der Text nur winzigund außerdem innerhalb des Rahmens der Bilder angebracht (LXV), aber der wichtigeSchritt der völligen Wiedergabe eines Werkes durch Holzßhnittdruck war nichtsdeßo-weniger gefchehen. Außerdem find die einzelnen Blätter mit den Ziffern I bis X ver-fehen, wobei es allerdings zweifelhaft bleibt, ob diefe als Signaturen aufzufajfen findoder nur die Reihenfolge der Gebote kennzeichnen follten. In ähnlicher Weife find dieGebete für die einzelnen Wochentage ausgeführt, nur befindet ßch hier der Text nichtmehr innerhalb der Bildflächen, fondern oberhalb derfelben, und die im oberen Randefichtbaren Zahlzeichen I, III, IIII, IIIII lajfen keine Zweifel, daß pe als Signaturen dienten.Einen überhalb der eigentlichen Darßellung angebrachten Text, und zwar jedesmal imUmfange von zwölf Zeilen, hat auch dasPlanetenbuch, jedoch hat diefes keine Sig-naturen. Den größten Fortfehritt bekundet derTotentanz, der den zu jedem Bildegehörenden Text in zwei Abtheilungen bringt, und zwar die Anreden des Todes oberhalbdesfelben, die Antworten unterhalb; als Signaturen dienten die arabijchen Ziffern 13 bis 28,die uns zugleich von einer weiteren Neuerung Kunde geben, nämlich daß der Holz-fchneider von vornherein das ganze Werk in einer einzigen Lage herauszugeben plante.

Leider fehlt es an jedem Mittel, zu bepimmen, wann diefer Band zufammengefügt wurdeund noch mehr an der Möglichkeit, die Herausgabe der einzelnen Theile desfelben feßzu-ßellen. Wenn ich nun annehme, daß die älteßen derfelben nicht allzulange vor 1460, diejüngßen nicht viel nach 1465 entftanden find, fo möchte ich zur Begründung diefer An-ßcht zunächft auf einen anderen Sammelband verweifen, den das Kgl. Kupferßichkabinetin Berlin bepßt. Diefer intereffante, aber feit längerer Zeit in feine einzelne Theile zer-legte Band, enthielt fogar zehn Blockbücher, von dem aber nur ein einziges, nämlich derkranke Löwe, ebenfalls in dem Heidelberger Bande enthalten ip. Wir haben gefehen,daß gerade das leßtere Werk einer noch ziemlich frühen Entwickelungsßufe in der Ge-ßhichte der Holztafeldruckwerke angehört, da der gefammte Text von Schreiberhandhinzugefügt wurde, und doch finden wir es in dem Berliner Bande mit dem 1468 ge-druckten Gamundia-Kalender und der erßen Antichrift-Ausgabe zufammen, die, wie wirbereits gefehen haben, früheftens gegen 1470 zu feßen. Auch pnd nur zwei oder dreider übrigen im Bande enthaltenen Bücher etwas älter als der Gamundia-Kalender, dieanderen pnd um oder nach 1470 entßanden. Es mithin auch nicht der geringße Grundvorhanden, die Entftehungszeit des kranken Löwen in eine allzu frühe Zeit zu feßen.