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W. L. SCHREIBER
Damit foll nun allerdings nicht gefagt fein, dag der Heidelberger Band überhaupt dieälteßen uns erhaltenen Blockbücher enthält, vielmehr find auf der k. k. Hofbibliothek inWien und der Hof- und Staatsbibliothek in München einige folche, die fehr wohl in Be-zug auf ihr Alter mit den genannten rivalifiren können. In Wien befindet fleh eine aufPergament gedruckte Ausgabe des Symbolum apostolicum (LXXXV), die zweifellos älterals die Heidelberger und wahrjcheinlich das ältefte uns überhaupt erhaltene deutßheBlockbuch iß. In der Technik zeigen ßch zwar keine Verjchiedenheiten gegenüber demvorher beßhriebenen Exemplar, doch lägt ßch in der Zeichnung die urfprünglichere Auf-faffung daran erkennen, dag bei jedem Bilde der Tradition gemäg nur die Büße des be-treffenden Apoßels angebracht ift, während im Heidelberger Exemplar jedesmal noch einProphetenbildnig hinzugefügt wurde. Eine dritte Ausgabe beßtjt die Hof- und Staats-bibliothek in München; ße zeigt diefelbe Gruppirung wie die Heidelberger, doch iß derText bereits xylographißh und zwar in deutßher Ueberfetjung hinzugefügt. Auf demVorblatt diefes Exemplars, das alfo der jüngßen der drei uns erhaltenen Ausgaben ange-hört, ßeht handßhriftlich die Jahreszahl IRAl. — Von dem „Totentanz“ befindet ßch inMünchen ebenfalls eine Ausgabe; diefe iß jedoch von der Heidelberger völlig verfchiedenund vielleicht noch etwas älter als jene. Als Signaturen dienten gleichfalls arabißhe Ziffern,und derText war urfprünglich xylographißh in zweiColumnen unterhalb der Bilder an-gebracht; er mugaber ßhon in alter Zeit fortgeßhnitten und durch einen gleichzeitigen hand-ßhriftlichen Text erfetjt worden fein. — Zu dem bereits erwähnten Berliner Sammel-bande gehört auch eine Ausgabe des „Planetenbuches“ (CXI), die in der Zeichnung wefent-lich reicher als die Heidelberger und vermuthlich auch ein wenig älter als jene ift. Sie ißanfeheinend auf niederrheinifchem Boden entftanden, und der Text, obwohl mit jenemgleichlautend, iß nicht xylographißh, fondern mit der Hand hinzugefügt. In London undin Wien befinden ßch noch Bruchftücke einer dritten Ausgabe desfelben Werkes, dochiß diefe weniger gut geßhnitten als die Heidelberger.
Zu den bereits in frühefter Zeit durch Holztafeldruck vervielfältigten Schriften gehörtauch das dem Chordienft angepaßte „Leben und Leiden Chrißi,“ doch find faß nur Frag-mente der verßhiedenen Ausgaben auf uns gekommen. Die ältefte derfelben (LXXXX)beßtjt die k. k. Hofbibliothek in Wien; die 38 Bilder find auf den Rück feiten der einzelnenBlätter abgedruckt, und auf den gegenüberftehenden leeren Seiten find Bezug habendeGebete in lateinißher Sprache geßhrieben. Einen ziemlichen alterthümlichen Eindruckmacht auch eine andere Ausgabe von 32 Bildern und ebenfo vielen Textfeiten, von denenich die eine Hälfte auf der Bibliotheque Nationale, die andere in einer Leipziger Privat-fammlung fand; der Text iß aber bereits in deutßher Ueberfegung gegeben und xylo-graphißh vervielfältigt. Erß nach 1470 ift dagegen das „Zeitglöcklein“ entftanden, deffeneinziges Exemplar in Bamberg aufbewahrt wird und ßch aus 28 Bildern mit darunterßehenden xylographißhen Erklärungen zu fam men fegt. Etwas älter iß ein aus 11 Blätternbeßehendes Paffionsfragment, das ßch in der ebengenannten Leipziger Sammlung befindet.Damit in gewiffem Grade verwandt, aber wefentlich erweitert und mit Gebeten an ver-ßchiedene weibliche Heilige vermehrt, iß eine Ausgabe, von der ßch ein aus 8 Bildernund 24 xylographißhen Textfeiten beßehendes Bruchßück in St. Gallen erhalten hat.
Hiermit iß die Liße der deutfehen Blockbücher ziemlich erfchöpft, und es bleiben nurnoch wenige Werke zu erwähnen übrig. Wie ßch durch Stilvergleichung unßhwer ergiebt,