VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.
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iß keine der drei Ausgaben der Ars memorandi vor 1470 entbanden, und dasfelbe lägtgeh auch ohne weiteres von dem in einem einzigen Exemplar erhaltenen „Beicht-fpiegel“ behaupten, welcher nur zwei verfchiedene Bilder aber 12 Textfeiten enthält.Früheren Datums iß hingegen die „St. Meinratlegende,“ und es iß faß anzunehmen, dagße im Jahre 1466 angefertigt wurde, als in Einßedeln zu Ehren diefes Heiligen das Feßder Engelweihe begangen wurde. In diefem Falle wäre ße das erße Werk, bei dem be-fondere Textfeiten in Holz geßhnitten wurden, während vordem nur immer Text inVerbindung mit Bildern auf eine Holzplatte gravirt wurde. Der nämlichen Zeit etwa ge-hören auch zwei von den drei in Deutßhland entßandenen Ausgaben der Apocalypfe an ;ein Exemplar der einen hat ßch in einem mit der Jahreszahl 1467 verfehenen Einbandeerhalten, und ein Exemplar der zweiten iß mit einer Handfchrift zufammengebunden,welche mit den Worten Finit 1869 ßhließt.
Iß nun auch die in Deutßhland erfchienene Blockbuch-Litteratur nur fehr lückenhaftauf uns gelangt, fo liegt doch die Entwickelung klar vor unferen Augen. In der erßenPeriode, die vielleicht fchon 1450, wahrfcheinlich aber erft etwas fpäter beginnt, ßehendie Holzßhneider im Dienße von Schreibern oder geißlichen Gefellfchaften; ße habenlediglich die Bilder anzufertigen, während der Auftraggeber den Text und zwar faß immerin lateinißher Sprache hinzufügt. In der zweiten Periode, deren Anfang zwißhen 1460und 1465 zu liegen ßheint, find die Holzßhneider, wie die vorwiegend in lateinißherSprache abgefaßten Erläuterungen beweifen, zwar zumeift noch in fremdem Dienfte thätig,doch überläßt man ihnen nicht nur die Reproduktion der Bilder, fondern auch diejenigeder Texte. Zwißhen 1465 und 1470 beginnt die dritte Periode, in welcher die Holz-ßhneider als die eigentlichen Verleger auftreten; ße beßhränken ßch nicht darauf, bereitsvorhandene Tafeldruckwerke oder eine ähnliche ihnen zu Gebote ßehende Bilderhand-ßhrift nachzußhneiden, fondern ße erweitern noch den Kreis und ziehen namentlich dievolksthümliche deutßhe Litteratur heran.
Ziemlich derfelbe Entwickelungsgang läßt ßch auch bei den niederländißhen Block-büchern wahrnehmen, nur könnte dort die Landesfprache ßhon etwas früher zur Geltunggekommen fein; während andererfeits der theologißh-lehrhafte Charakter viel ßhärferals bei den deutßhen Blockbüchern in den Vordergrund tritt und es an volkstümlichenWerken faß ganz gebricht.
Der früheßen Entwickelungsperiode gehört eine Ausgabe des „Exercitium super Paternoster “ an, ja ße zeigt uns fogar eine Urftufe, von der ßch ein deutßhes Beifpiel über-haupt nicht erhalten hat. Es iß nämlich nicht nur der Text unterhalb der Bilder hand-ßhriftlich hinzugefügt, fondern fogar innerhalb derfelben find die zahlreichen zur Er-läuterung dienenden Inßhriftsrollen leer gelaflen und von dem Schreiber nachträglichmit rother Tinte ausgefüllt (LXXXVII). Das Exemplar der Bibliotheque Nationale, daseinzige uns erhaltene (es wurde für den lächerlich geringen Preis von 1 fl. 8 sous ange-kauft), dürfte allerdings kaum vor 1460—65 hergeßellt fein; aus dem Umftande aber,daß die Bilderinßhriften lateinißh, die Unterßhriften jedoch in niederländifcher Spracheabgefaßt find, läßt ßch fchließen, daß die früheßen Exemplare durchweg lateinißh waren,und die Platten könnten mithin fehr wohl ßhon zwißhen 1450—55 geßhnitten fein. Sinddie Bilder diefer Ausgabe getreue Nachbildungen von Handzeichnungen, wie ße in dendamaligen Bilderhandßhriften üblich waren, fo erfchien um 1470 eine neue, deren Illu—