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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

ßrationen zwar ähnlich gruppirt, aber wefentlich künftlerifcher entworfen find. Die In-fchriften und der Text find in Holz gefchnitten und zwar i[t oberhalb der Darftellungeneine Erklärung in lateinißher, unterhalb derfelben eine folche in niederländißher Sprache.Um die nämliche Zeit erßhien auch noch eine für Deutpitland beftimmte Copie, welchemit lateinißhen und deutßhen Erläuterungen verfehen.

Die nächße in der Reihenfolge dieLegende des hl. Servatius. Sie entfpricht derTechnik der früheren deutßhen Blockbücher, d. h. der Text des einen dort vorkommen-den Spruchbandes xylographißh vervielfältigt, während die Erklärungen handfchrift-lich, und zwar in dem einzigen uns erhaltenen Exemplare in franzöfißher Sprache, hin-zugefügt worden find. Befondere Gefchicklichkeit kann man dem Holzßhneider nichtnachrühmen, dennoch läßt fich in der Zeichnung eine Verwandtfchaft mit der Bibliapauperum-G ruppe nicht verkennen. Da dem Anfcheine nach imjahre 1458 eine Aende-rung in der Reihenfolge der Ausßellung der Maeßrichter Heiligthümer vorgenommenwurde, das Buch aber der neuen Anordnung folgt, fo kann es nur nach jenem Zeitpunktentßanden fein; ob aber ßhon für die Ausßellung von 1461 oder erß für jene von 1468,läßt fich kaum entßheiden.

Das dritte der niederländifchen xylo-chirographifchen Werke das Spirituale Pome-rium. Die reichliche angewendete Schraffirung auf den in Handzeichnungsart geßhnittenenBildern deutet darauf hin, daß diefe kaum vor 1470 entßanden fein dürften, auch handeltes fich überhaupt um kein eigentliches Blockbuch, da die Illuftrationen nicht eingedruckt,fondern eingeklebt find. Der Text war im Verhältniß zu den Bildern ein fehr umfang-reicher, und man begnügte fich daher damit, ein Duzend Illuftrationen in Holz fchneidenzu laßen und ße an die Spille jedes der 12 Kapitel, die durch Schreiberhand vervielfältigtwurden, einzußhalten.

Eine gemeinfame Gruppe bilden die Biblia pauperum , die Sibyllen -Weisfagungen, derGamundia-Kalender und das Speculum humanae salvationis, während das CanticumCanticorum, die Ars moriendi und ein Grotesken-Alphabet ihr fehr nahe ßehen. Sie finddie Erzeugniße eines Zeitraums von acht bis zehn Jahren: ihre Vorlagen gehen, wennnicht auf denfelben Meißer, fo doch auf diefelbe Schule zurück; der Schreiber hat nichtsmit dem Text zu thun, fondern diefer völlig xylographißh wiedergegeben; der Schnitt von erßaunlicher Sicherheit, Feinheit und Geßhicklichkeit, und felbft das Druckver-fahren ein eigenartig neues.

Während nämlich die erße Ausgabe des Pater noster und das Pomerium, entfprechendden älteren deutfchen Blockbüchern, nicht eigentlich gedruckt, fondern geßempelt,indem man die mit fchwarzer Farbe beftrichene Holzplatte von oben (petßhaftartig) aufdas Papier abdrückte, fo daß auf der Rückfeite des letzteren fich nur ein geringer Eindruckbemerkbar machte, zeigt fich bei den zur Biblia pauperum - Gruppe gehörenden Tafel-werken eine fo tiefe Einpreßung, daß eine Benutjung der Rückfeiten des Papiers aus-geßhloßen war. v. Heinecken, dem diefe Eigenart nicht entging, gab dafür folgendeErklärung:Man ßrich die Farbe oben auf den hölzernen Stock mit dem Handpinfel,legte fodann ein Papier, fo etwas angefeuchtet, darauf, damit es beßer anzöge, und fuhrendlich über das Papier mit einem hörneren Reiber hin und her. Diefe, vor 130jahrengeäußerte Anßcht hat nie Widerfpruch erfahren, vielmehr gilt dasReiberdruckverfahrenals verbürgte hiftorißhe Thatfache, und doch haben fich meine Zweifel an der Richtigkeit