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W. L. SCHREIBER
Zeit in Augsburg genug erfchienen und fchon ein Jahrzehnt früher von Pfißer in Bamberg gedruckt find, und Proctor hat dementfprechend in feinem Index der Incunabeln desBritish Mufeum die vielumßrittene Auflage nicht mehr unter die Holztafeldruckwerke,fondern unter die typographifchen Erzeugniffe aufgenommen.
Die nun noch übrigbleibenden Blockbücher, nämlich die Apocalypse, das Liber regum,die fieben Todfunden und die nur in einem winzigen Bruchßück erhalten & Historia sanctaecrucis (lammen aus fehr verfchiedenen Werkßätten und weichen in Zeichnung und Schnittnicht nur wefentlich von einander, fondern auch von der vorhergehenden Gruppe ab.Damit drängt fich uns eine neue Frage auf: kann Haarlem , wenn es fchon auf die Er-findung der beweglichen Buchßaben verzichten muß, eine hervorragende Stellung alsEntßehungsort von Blockbüchern für fich in Anfpruch nehmen?
Obfchon feit Jahrhunderten das Speculum und die mit ihm verwandten Blockbücherim Mittelpunkt des Intereffes ftehen, iß über deren Urfprungsort noch nichts beßimmtesermittelt worden, fondern wir behelfen uns auf dem Continent mit dem Collectivbegriff„niederländifch,“ während die Engländer das Wort „flämifch“ vorziehen. Daraus, daßfich die Holzplatten der Biblia pauperum und des Canticum feit 1487 bezw. 1494 nach-weislich im Befitj des Peter van Os zu Zwolle , die des Speculum feit 1481 in den Händendesjohann Veldener zu Utrecht und Kuilenburg befanden, laffen fich keine Schlüffe ziehen.Ich glaube, daß die zur Biblia pauperum - Gruppe gehörenden Werke urfprünglich im Ver-lage einer geißlichen Corporation erfchienen, und da die erfte Speculum- Auflage mitniederländifchem Text fich nicht nur durch wefentlich gefchickteren Druck von der zweitenunterfcheidet, fondern auch orthographifche Abweihungen erkennen läßt, 9 fo möhte ihannehmen, daß etwa zwifchen 1475—80 die betreffende Brüderfchaft ihren ganzen Vor-rath an Holzplatten verkaufte und daß diefe dann erß nah dem nördlihen Theile derNiederlande gelangten. Die letzteren find, wie es ja auh der Name ausdrückt, eine Ebene,die zum großen Theile unter dem Meeresfpiegel liegt, und nur in dem damals zu Brabantgehörenden Limburg und dem anßoßenden füdlichen Theile Belgiens erheben fich dieGebirgsformationen des Hohen Venn. Stufenartig anßeigende, mit einzelnen Bäumenbeßandene Felspartieen find aber faß auf jedem Blatte der zur Biblia pauperum- Gruppegehörenden Blockbücher (übrigens auh auf einer Seite der erßen Ausgabe des Paternoster) dargeßellt, und wenn ih daher niht die nördlihen Niederlande, fondern eherdie Gegend von Limburg als deren Entßehungsort anfehe, fo fheint ßh eine fhwacheBeßätigung aus dem Umßande zu ergeben, daß die in gewiffem Sinne verwandte Ser-vatius-Legende in Maeftriht und ein der Gruppe noh näher ßehendes Einzelblatt (XX)in dem benahbarten Lüttih entßanden ift. Andererfeits fcheint mir aber auh die feitdreißig Jahren vielfah wiederholte Anßht, daß die Princeps-Ausgabe der Ars moriendiin Cöln entßanden fei, in keinerlei Weife begründet zu fein. Ih möhte im Gegentheilaus dem Umßande, daß mit den Platten derfelben auh eine Ausgabe in franzößfherSprahe hergeßellt wurde, fhließen, daß hier die Limburger oder Lüttiher Gegendgleichfalls als Urfprungsort anzufehen iß, zumal da die Servatius-Legende und der LüttiherHolzfchnitt ebenfalls mit franzößfchem Text erfhienen find. — Die Lokalifirung desletjteren verdanke ih Herrn Hymans, dem Direktor des Brüffeler Kupferßihkabinets, unddiefer hat kürzlih noh zwei andere für die Gefchichte des niederrheinifhen Holzfhnittswihtige Druckorte feßgeßellt, nämlih daß das Kloßer „Unferer Frau ten trooß“ ein Kar-