VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.
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ich ghon an, dag für die Original-Ausgaben der niederländighen Blockbücher vermut-lich nicht allzu viel verghiedene Hände thätig waren, und ebenfo lägt geh annehmen, dagderjenige Holzschneider, der ein Blockbuch copirte, auch ein zweites und drittes nach-fchnitt. Auf Hans Spoerer weniggens lagen geh, wie ich bereits bemerkte, vier ver-ghiedene Blockbuchausgaben zurückführen, ja man könnte ihm vielleicht noch eine Aus-gabe der lateinighen Biblia pauperum zughreiben.
Auch ig es mit der Gegchicklichkeit der Holzghneider im allgemeinen nicht weit her,fondern Geduld mugte alles ergeben. Aus einem eing dem Nürnberger Katharinen-kloger gehörenden Rezeptbuch ergiebt geh, dag das Durchpaufen damals bereits bekanntwar: „Wiltu abentwerfen (copiren),“ g> heigt es da, „fo nimm ein dünns papier daslauter fei vnd begreich es mit leinöl an beiden feiten vnd reib es gar wol darein; vndnimm denn dasfelb papier vnd legs auf, fo fcheint es dir herdurch vnd nimm denn eintinten vnd ein ghreibfedern vnd ftreich es (zeichne es durch) auf das papier vnd leim esauf ein hobelt brett und ghneit es darnach aus, wie dus haben wilt.“ Und die Holz-ghneider zeichneten nicht nur die Bilder, fondern auch jeden einzelnen Buchgaben durch,fo dag auf den ergen Blick eine Ausgabe der nächften wie ein Ei dem andern ähnelt; beigenauerer Prüfung zeigen geh dann aber nicht nur Textunterghiede, die durch den Mangelan Sprachkenntniffen entftanden, fondern es tritt auch die mehr oder minder groge Ge-gchicklichkeit in der Führung des Schneidemeffers zu Tage. Die Eigenart des einzelnenHolzghneiders lägt geh hingegen aus der Behandlung der Schraffirung erkennen. In denOriginal-Ausgaben fehen wir meig kurze unregelmägige Striche, wie ge der Xylographin der ihm als Vorlage dienenden Bilderhandghrift fand; von den Copiften hingegenzerlegte ge der eine in zarte, faft punktartige Strichchen, ein anderer gab langen, kräftigenhorizontalen Linien den Vorzug, ein dritter zerghnitt diefe wieder in diagonaler odervertikaler Richtung, ein vierter bevorzugte eine ftufenartige oder alternirende Anordnungder Striche, kurz jeder folgte feiner eigenen Gefchmacksrichtung. Einzelne allerdings, zudenen namentlich Spoerer gehörte, machten geh die Sache bequemer; ge liegen alleSchraffirungen und fonftige zeitraubende Details einfach fort und fuchten nur gelegent-lich durch Stehenlagen größerer ghwarzer Flächen einen gewiffen Effect hervorzubringen.
Es ig mir allmählich zweifelhaft geworden, ob geh unter den Holzfchneidern der unsbefchäftigenden Periode auch nur ein einziger befand, der Entwürfe für den Holzßhnittfelbggändig zu zeichnen vermochte. Bei den Originalausgaben kann man fag immer gcherfein, dag eine Bilderhandghrift als Vorlage diente, während die fclavißh getreuen Nach-ghnitte natürlich überhaupt nicht in Frage kommen. Es können alfo nur jene, verhältniß-mäßig wenigen Ausgaben in Betracht gezogen werden, welche zwar den Original-Typuserkennen laßen, aber doch mehr oder minder bedeutende Aenderungen aufweifen. Ichmöchte aber auch bei diefen einen Maler oder Zeichner als vermittelnde Perfönlichkeitvermuthen: fei es, dag derurfprünglicheMeifter einen zweiten etwas abweichenden Ent-wurf lieferte; fei es, dag die Originalhandßhrift von einem anderen Schreiber mit Ver-änderungen copirt worden war und nun die letztere Handßhrift als Vorlage diente; feies endlich, dag irgend ein Maler eine vorhandene Bilderhandghrift oder ein Tafel-druckwerk fpeziell für den Nachghnitt umarbeitete, wie dies beifpielsweife bei der Bibliapauperum durch den Nördlinger Maler Friederich Walthern für den Holzghneider(Schreiner) Hans Hürning geghah.