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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

Bedrucken beßimmte Leinewand zu ßärken, laffen ßch Zweifel, daß Jan ein Zeugdruckerwar, wohl nicht mehr aufreckt erhalten . 11 Ebenfo ßcher es aber auch, daß die Leute,die 1447 in Brügge mitOelfarbe druckten (wrochten metprenten metolye varwe), nichtsmit der Buchdruckerkunß oder ihren Vorläufern zu thun hatten, wie dies noch in jüngßerZeit behauptet wurde , 12 fondern ße waren Zeugdrucker, und in der betreifenden Ur-kunde werden ausdrücklich ihre beildwerke in bancleedren (ledernen Stuhlßtjen )saergen(Leinßoffen) ende andere lakenen (Tücher) aufgezählt.

Die erße Nachricht von einem Holzfchneider, der Bilder und Buchßaben zu fchneidenverßand, ßammt aus der Stadt Löwen. Die dortige Radmacher-, Schreiner-, Drechsler-und Böttcherzunft beßhwerte ßch nämlich 1452, daß ein gewiffer Jan van den Bergheihr nickt als Mitglied beitreten wolle. Der Befchuldigte vertheidigte ßch mit den Worten,daß das snyden van Letteren ende Beeldeprynten (Bilddrucken) een sunderlinghe constwaere, des men hiert sgelyex niet en dade (daß man hier dergleichen nie that), endeginghe eensdeels meer der Clerckgien (Schreiber) aen dan den Rademakers, Scrynmakers,Draeyers ende Cuypers . 13 Jan, der nickt prenter, fondern printsnydere genannt wird, waralfo ein Holzfchneider in unferem Sinne, und er bezeugt direkt, daß es vor ihm noch keinenfolchen in Löwen gab. Diefe Stadt ßkeint auch nickt der reckte Boden für ihn gewefenzu fein, denn er fiedelte bald nach der Buchhändlerßadt Brügge über, wo er von 1458 bis1491 als Mitglied der St. Johann-Evangelift-Gilde, in der alle an der Bücherherßellungbetheiligten Gewerke vereint waren, nachweisbar. Nun ßkeint allerdings immer nochein kleiner Widerfpruch zu beftehen, denn Jan fertigte bereits 1452 Letteren, währendunfere Ergebniffe darauf deuteten, daß damals nur die Bilder in Holz gefchnitten wurden,der Text aber bis um 1460 handfchriftlich hinzugefügt wurde. Letteren kann aber nicktnur Text, fondern auch Buchßaben bedeuten, und es wird fich daher vermuthlich umxylographifche Initialen gehandelt haben, wie wir ße in deutßken Manufcripten aus derMitte des 15. Jahrhunderts mehrfach eingeklebt (aber noch nichteingedruckt) finden.

Ob wir die Frage alfo auf Grund der Urkunden oder der uns erhaltenen Originaleprüfen, ob wir ße auf deutfchem oder niederländifchem Boden unterfuchen, nirgendsbietet fick der geringße Anhalt, daß Text in irgend welchem nennenswerthen Umfangefchon vor 1460 xylographifch vervielfältigt fei; aber felbß für die Folgezeit dürfen wirweder die Zahl noch die Fähigkeit der Holzfchneider überfeinen.

Ueberaus lehrreich in diefer Beziehung ein Brief, den der Hagenauer BuchdruckerThomas Anshelm am 7. Januar 1518 an feinen berühmten Collegen Anton Koburger inNürnberg richtete:Nun hat der Plinius 37 Bücher zu denen ick große Kapital (Initialen)bedarff hab ick kein Formenfchnider by mir darum bitt ick uch, ir wölt mir ein alphabethby uch ryffen (zeichnen) und fchnyden laffen. Alfo in der ziemlich bedeutenden Reichs-ftadt, in welcher faß ein Jahrhundert früher die Schreibwerkßätte des Diebolt Loubergeblüht hatte, war damals noch kein Holzfchneider dauernd anfäfßg. Faß noch fonder-barer erfcheint es, daß 1558 Wolfgang Lazius in feinen Commentaren zur griechißhenGeßhichte und Typographie ßch beßhwerte, daß es in Wien Niemand gäbe, der dieFiguren zu feinen Werken anfertigen könne, fo daß er ße felbß in Kupfer ftechen oderin Holz fchneiden müffe. Ebenfo ergiebt ßch aus den Arbeiten Conways, daß für diegefammte Illußration typographifcher Werke während des 15. Jahrhunderts in Belgien und den Niederlanden zufammen nur 25 Holzßhneider thätig waren. Desgleichen deutete