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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

es alfo bei dem geringen Bildungsgrade der Holzjchneider fchon an fich wenig wahr-fcheinlich, daß ein foldier auf den Gedanken gekommen fei, ein lateinifches Schulbuchmechanifch herzuftellen, fo wäre es völlig unerklärlich, warum, wenn zwifchen 144050Donate u.f.w. xylographifch vervielfältigt worden wären, zwifchen 145060 derwefent-lich kürzere Text der damaligen Blockbücher handßhriftlich hinzugefügt wurde. DerEntwicklungsgang der Blockbücher deutet vielmehr darauf hin, daß bis etwa 1465 dieHerftellung der Bücher und der Buchhandel felbft ausjchließlich in den Händen derSchreiber ruhte. In dem Tagebuche des Abtes Jean le Robert wird auch ausdrücklicherwähnt, daß die Doctrinalien bei einem escripvand gekauft wurden. Bei den Block-büchern fahen wir, wie die Schreiber zwar die Bilder durch Holzfchneider anfertigenließen, aber den verhältnißmäßig unbedeutenden Text felbß hinzufügten, um zu beweifen,daß fie die letjte Hand an das Werk legten und die Herausgeber waren. Bei den Schul-büchern wäre eine folcheTrennung unmöglich gewefen, und dieAnnahme, daß etwa einSchreiber einen Xylographen mit der Anfertigung eines folchen betraute, muß deswegenals ausgeßhloffen gelten, weil er dann felbft gar nichts mehr mit der Herßellung des Bucheszu (chafifen und feinen eigenen Broterwerb gejchädigt hätte.

Gelangen wir fomit zu dem Ergebniß, daß die in Rede ftehenden Schulbücher wedermit Typen gefegt noch in Holz gefchnitten waren, fo giebt uns Paulus Paulirinus in derbekannten Stelleciripagus est artifex sculpens subtiliter in laminibus ereis ferreis autligneis solidi ligni aut altero ymagines scripturam et omne quodlibef einen Fingerzeig,daß noch eine dritte Möglichkeit, nämlich der Drude von Metallplatten, in Betracht zuziehen ift. Und da wir jawiffen, daß die erften Buchdrucker keineTypen kaufen konnten,fondern die Matrizen zu denfelben eigenhändig anfertigen mußten, alfo eine gewifleKenntnißder Metallgravirung nöthig hatten, fo erfcheint eine derartige Löfung der Fragean fleh keineswegs unwahrßheinlich.

Wann die Anwendung metallener Tafeln zum Zwecke des Bilddrucks ihren Anfanggenommen hat, hat (ich bisher mit Genauigkeit noch nicht feftftellen laffen. Wir könnennur behaupten, daß um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine zweifache Art der Be-arbeitung bekannt war, erftens der Kupferftich, zweitens der Metallfchnitt.

Von beiden die Kupferftich-Technik die einfachße und bietet verhältnißmäßig diegeringeren Schwierigkeiten: das Bild wird mit dem Stichel eingeritjt und dann der Grad(d. h. die erhabenen [chmalen Ränder, die fich zu beiden Seiten der eingegrabenen Linienauf der Platte bilden) durch den Schaber entfernt. Um jedoch von einer folchen Metall-platte Abzüge auf Papier machen zu können, bedarf es eines ziemlich complicirten Ver-fahrens : zunächft wird die ganze Tafel gefchwärzt, dann aber die Farbe von der glattenFläche mittels einesBaujcheswieder entfernt, während fie in denvertieften Linien Zurück-bleiben muß. Das angefeuchtete Papier wird nun auf die Platte gelegt und fo ftark ange-preßt, daß die Druckfarbe die in Folge der mangelhaften Preßvorrichtung in frühererZeit mehr dünnflüffig war, während man heute im Gegentheil eine möglichft zähe ver-wendet und die Platte fogar erwärmt fich aus der Vertiefung heraushebt und amPapier haften bleibt.

Gerade umgekehrt ßeht es mit dem Metallßhnitt. Bei ihm braucht die Platte, demHolzfchnitt entfprechend, nur einfach gejehwärzt zu werden, um für den Druck fertig zufein, zu dem es auch keiner befonderen Kraftentwickelung bedarf. Die Gravirung hin-