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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

man fie allefamt einem einzigen Meifter, einem angeblichen Franzofen Bernard Milnet,zuphrieb. Etwas fpäter verfiel der bekannte Sammler T. O.Weigel, irregeleitet durchUnter-fchiede in der Zufammenfetjung der Druckerfchwärze, die er fälfchlich durch eine Ver-phiedenheit des Materials zu erklären verfuchte, in den entgegengefetjten Fehler undbehauptete von einer nicht unbeträchtlichen Zahl alter Holzphnitte, dag fie Metallghnittefeien. Bei der hierdurch entgandenen und auch heute noch nicht völlig überwundenenUnficherheit fcheint es mir nöthig, hier kurz im Zufammenhang zu fchildern, was ichüber dieVorgefchichte und die Entwichelung des Metallphnitts fegzugellen vermochte. 15

Die Punze, das eigenartige Werkzeug der Metallfchneider, fand bereits im Alterthumbei der Verzierung von Metall- und Töpferwaaren Verwendung, wie ich mich an ver-fchiedenen Stücken im Beg^e der Berliner Mufeen überzeugen konnte. AufaltitalienifchemThongephirr begegnet uns namentlich eine aus zwei ineinander liegenden Kreifen © be-gehende Verzierung, und in die Bronzen derfelben Epoche wurden Ornamente, fowieMenfchen- und Thierfiguren mittels Stempel erhaben getrieben. Auch an den alt-griechighen Bronzen lagen geh ähnliche gepunzte Verzierungen wahrnehmen, und fehrzierliche Palmettenmufter erfcheinen auf den fchwarzgefirnigten, befonders im 4. Jahr-hundert v. Chr. beliebten Vafen. Den barbarighen Völkerfchaften war diefe Technikebenfalls nicht fremd, wie ein mit Doppelkreifen verzierter, fonderbar geformter Gladia-torenhelm im Mufeum zu Neapel beweig; ja, auf den Topfwaaren der Pfahlbau-Periodelagen geh nicht nur verfchieden geformte, mit Stempeln eingedrückte Verzierungen er-kennen, fondern man hat fogar etliche der zu diefem Zwecke benutjten knöchernen Werk-zeuge gefunden. 16 Diebyzantinifchen Künftler waren mit Stempel und Punze ebenfalls ver-traut und zur Zeit der Kreuzzüge war in den Klofterwerkgätten des Abendlandes bereits eineTechnik ausgebildet, die geh von derjenigen unferer Metallphnitte kaum noch unterfchied.

Der zu Anfang des 12. Jahrhunderts im Benedictinerklofter Helmershaufen in Hegenlebende Theophilus Presbyter giebt in feiner Diversarum artium schedula an, dag manbei Kupferplatten nach Vollendung der Gravirung den freigebliebenen Hintergrund ent-weder fortphneiden könne oder ihn mittels der Punze verzieren (opus punctile) oderendlich ihn abphabenundmit phwarzem Kitt ausfüllen (opus interragle). DieverfchiedenenArten diefer Technik können wir an zahlreichen Erzeugnigen der damaligen Goldfchmiede-kung, namentlich aber an Bucheinbänden beobachten, worauf wir noch weiterhin zurück-kommen müffen.

Eine Fortfetjung diefer Metallbearbeitungskung tritt uns in den über Norddeutfchlandund die nordiphen Länder verbreiteten Metall-Grabplatten entgegen. Mit Recht hat phonLiph darauf aufmerkfam gemacht, 17 dag man zwei verphiedene Arten der Bearbeitungunterpheiden müge. Die ältere, welche namentlich während des 14. Jahrhunderts imGebrauch war, beftand darin, dag man die Umriffe der Figuren gehen lieg, das übrigeaber durch Schaben und Graben vertiefte. Die jüngere, die etwa 1430 auftritt und gehbis in das 16. Jahrhundert hielt, zeigt die dargegellte Perfon, deren Schild, den Helmund die Infchrift in vertieften, oft mit fchwarzer oder farbiger Mage ausgefüllten Linien,während der Reg unberührt gehen blieb. Für die ältere Art und die frühegen Beifpieleder jüngeren wurde fag ausfchlieglich Meffing verwendet, während man fpäter demKupfer den Vorzug gab.

Wir haben hier alfo genau diefelben Unterphiede, die zwiphenMetallphnitt und Kupfer-