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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

Im Jahre 1890 führte Lehrs den Nachweis, daß die Holzßhnitte der Ars moriendi ineiner um die Mitte des 15. Jahrhunderts entßandenen Kupferßichfolge des Meißers E.Sihren Vorläufer hätten. Sie wurde von dem Erasmus - Meißer, deßen Thätigkeit um1460 abzufchließen fcheint, copirt, und nach diefer Nachbildung entßand, ebenfalls inKupfer geßochen, noch eine dritte Serie. Da nun die Stiche ohne erläuternden Text un-verßändlich waren, fo bin ich der Anßcht, daß diefe drei Kupferßichfolgen dazu beßimmtwaren, mit handfchriftlichem Text verfehen und in Buchform verkauft zu werden, undich zweifle um fo weniger an der Richtigkeit meiner Annahme, weil ßch von beidenCopieen je ein Exemplar mitvollßändigem Text erhalten hat. 21 Wir müffen alfo (chließen,daß neben den xylo-chirographifchen Blockbüchern und zwar zur nämlichen Zeitauch metallo-chirographißhe imVerkehrwaren. Ich möchte aber noch einen Schritt weitergehen und behaupten, daß die bereits erwähnte deutfche Kupferßich-Pafßon von 1446ßch durch ihr Format ebenfalls als Buchillußration ausweiß. Sie nicht nur ein Jahr-zehnt älter als die xylo-chirographißhe Pafßon-Ausgabe, fondern überhaupt das früheßeBlockbuch (als zufammenfaffender Begriff für alle Werke gedacht, bei denen ein mecha-nifcher Vervielfältigungsprozeß zur Anwendung gelangte), von dem wir Kenntniß haben.Endlich hat Lippmann nachgewiefen, daß den in Holz gefchnittenen deutfchen Planeten-büchern zwei italienifche, mit gravirtem Text verfehene Kupferßich-Ausgaben voran-gingen, die um 1460 in Florenz entßanden fein dürften. 22

Was den Metallfchnitt anbetrifft, fo habe ich bereits an anderer Stelle darauf aufmerk -fam gemacht, daß von dem mit 28Metallfchnitten gefchmückten BucheDie ßeben FreudenMariä die früheßen Exemplare handfchriftlichenText hatten und daß die Ausgabe, welchemit einem der Pfißer-Type ähnlichen typographißhenTextverfehen, ßch erß an diefe an-reihte. 23 Aehnliches bei einemPafßonale mit Metallfchnitten derFall, deßen zweiAusgabenßch nur bruchftückweife erhalten haben: in der erßen der Text handßhriftlich, für diezweite er auf Holzplatten geßhnitten, fo daß wir hier das Curiofum einer metallo-xylographißhen Ausgabe haben. Mithin hat der Metallßhnitt, gleich dem Kupferßich,vor 1460, alfo in einem Zeitraum, in dem Blockbücher mit Holzfchnitten nur fehr fpärlichnachweisbar find, für die Bücherillußration keine unbeträchtliche Rolle gefpielt; ja, wirwerden vermuthen dürfen, daß beide als Illuftrationsmittel früher als der Holzfchnitt zurVerwendung gelangten.

Wir haben uns daran gewöhnt, die Initialen und Zierleiften in den typographißhenWerken ohne weiteres als Holzfchnitte zu bezeichnen und doch wurden fowohl im 15.als im 16. Jahrhundert oft genug Metallfchnitte zu diefem Zwecke verwendet. Esmir unverßändlich, wie Faulmann in feiner SchriftDie Initiale (Wien 1887, S. 12) dieAnfangsbuchßaben der 1454 und 1455 gedruckten Ablaßbriefe als Holzßhnitte bezeichnenkann, obfchon ße zweifellos in Metall gefchnitten find. Aber auch die berühmten Pfalter-Initialen von 1457 find nicht von Holzßöcken gedruckt. Wären die Buchßaben ßets roth,die Verzierungen ßets blau gedruckt, fo hätte ßch dies zur Noth auch mit Holztypenerreichen laßen. Wir finden aber, daß bald der Körper roth und das Ornament blau,bald das Umgekehrte der Fall. Die völlige Entfernung der Farbe von einem Holz-ßock ift ziemlich ßhwierig, da ße in deßen Poren eindringt; durch das fortgefetjte Waßchenwären ßhon nach kurzer Zeit keine ßharfen Abdrücke mehr möglich gewefen und diePlatte würde bald unbrauchbar geworden fein. Die Pfalter-Initialen haben aber bis 1516,