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W. L. SCHREIBER
ziemliche Anzahl nöthig. Es bedurfte einer Vorkehrung zum Ziehen gerader Zeilen-linien auf der Platte, eines Hammers zum Einjchlagen der Punzen, eines Schabers zumEbenen der Druckfläche, eines Griffels oder Meters zum Nachhelfen der eingeßhlagenenBuchßaben, eines Ballens oder Polfters zum Aufträgen der Farbe, eines Behälters fürdie Druckjchwärze, einer Prefle oder fonftigen Druckvorrichtung (vitis?), eines Holz-kaßens mit Fächern für die alphabetifch geordneten Punzen (ingenium de fuste?), einesRahmens zum rechtwinkligen Feßhalten des Papiers während des Druckes (duas formasferreas?), dann der Metallplatten felbft (48 formae stagni?) und vielleicht noch andererDinge.
Wie dem nun auch fein möge, jedenfalls war das ganze Valdfogheljche Unternehmenherzlich unbedeutend. 38 Von Papier oder Pergament iß überhaupt keine Rede; als Lehr-geld forderte er 10 Gulden, während Gutenberg 80 bezw. 125 Gulden verlangte; denAntheil eines Gefelljchafters kaufte er für 12 Gulden zurück, während bei Gutenbergder Werth eines Gejchäftsantheils von vornherein auf 100 Gulden feftgefetzt wurde.Schließlich lernte Valdfoghel felbft das Zeugfärben, das damals im füdlichen Frankreich in höchfter Blüthe ftand, und verließ Avignon; wahrßheinlich doch nur, weil die arsscribendi ihm nicht einträglich genug erjchien und er irgendwo anderwärts die Zeug-färberei betreiben wollte.
Wir dürfen uns ja darüber auch nicht im Unklaren fein, daß dem metallographißhenVerfahren vielerlei Uebelßände anhafteten. Erftlich dürften die Rückfeiten des Papiers,wie es ebenfo bei den fpäteren xylographißhen Blockbüchern der Fall war, nicht be-nutzbar gewefen fein, und da für handjchriftliche Schulbücher ein fehr geringer Preisfeßgefetzt war, fo konnte bei dem mechanifchen Verfahren, noch dazu wenn das doppeltePapierquantum erforderlich war, nur ein fehr bejcheidener Verdienß bleiben. Noch[chlimmer aber war es, daß, wenn bei der Herftellung der Textplatten irgend ein Fehlergemacht war, diefer ßch nicht fortfchaffen ließ, fondern in fämmtlichen Exemplaren zuTage trat, worauf ßch wahrßheinlich die Klage im Tagebuche des Abtes le Robert bezieht„et etait tout faute.“
Früher oder fpäter muß nun Gutenberg eingefehen haben, daß ßch, fo widerfpruchsvolles urfprünglich erjcheinen mußte, doch unveränderlicher Text mit beweglichem Materialherßellen ließe, daß man direkt von Punzen drucken könne und daß diefe Manier fogarnoch den Vortheil böte, Setzfehler corrigiren zu können. Er mußte daher daran denken,feinen Vorrath an Punzen zu vergrößern, oder richtiger gefagt, zu der Herftellung einergroßen Menge völlig neugeftalteter Punzen (Typen) [chreiten. Daß das Buchßabenbildjetzt verkehrt (in Spiegelßhrift) gravirt werden mußte, war noch das Wenigße — es kamdarauf an, den bisher runden Punzen eine fcharf vierkantige Form zu geben, fo daß einegenau an die andere paßte, und die frühere Länge von vielleicht 10 Centimeter auf dieforgfältig ausgeklügelte von nicht ganz 3 Centimeter zu verkürzen und dabei zu forgen,daß die Höhe jeder einzelnen haarßharf der andern entfprach. Diefe Punzen, welcheeinzeln mühfam mit der Hand geßhni^t wurden, hatte Peter Schöffer jedenfalls im Sinn,als er dem Trithemius fagte „quos prius manibus sculpebant Sich in Berechnungen zuergehen, wieviel folcher Typen nothwendig waren, iß völlig nutzlos, denn wenn wir auchwißen, daß man in der früheften Zeit immer nur Seite für Seite fetzte und druckte, alfodas Material für eine folche nebß dem für die Schwankungen nothwendigen Ueberfchuß