VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.
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genügte, fo hängt doch eben alles von der Größe der Seite und der Größe der Typen ab,und hierüber fehlt uns jeder Anhalt.
Aber es galt nicht allein, die richtige Form für die Typen zu finden, fondern es mußtenauch Spacien und Durchfchüße, Rahmen zum Zufammenhalten der Seite, Inßrumentezum Faßen der einzelnen Zeile und zahllofe andere Werkzeuge und Hilfsmittel erdachtoder zurechtgeßutjt werden. Wir können uns aber deswegen kein vollßändiges Bild vonallen diefen Schwierigkeiten machen, weil wir ja nur die gelungenen und deswegen auchvon Beßand begleiteten Schritte einigermaßen beurtheilen können, nicht aber die ver-geblichen Verfu die, die, ohne zum Ziele zu führen, doch Arbeit und Zeit genug erforderthaben mögen. — Zweifellos hat Gutenberg durch die Erfindung einer Gießform zurHer-ßellung der Typen feinem Werke die Krone aufgefe^t. 39 Wenn für das neue Verfahrentrotjdem die Bezeichnung „Drucken“ beibehalten wurde, wie fich dies aus dem Worte„ impressus “ in der Schlußfchrift des Catholicon und „ gedruckef‘ in Pfißers Hißorievon Jofeph ergiebt, fo läßt fich dies nur dadurch erklären, daß fich durch die Vorläuferdas Wort bereits als Begriff für mechanijch vervielfältigte Texte eingebürgert hatte. DiePreffe an fich kann auf die Bildung des Ausdrucks jedenfalls nicht von Einfluß gewefenfein, da fich Abzüge (man denke nur an die noch heute vorkommenden, mit der „Bürße“hergeftellten Korrekturbogen, auf die ßch allerdings der Uebelßand der unverwendbarenRückfeiten vererbt hat) auch ohne deren Mitwirkung herftellen laffen. 40 Neu war aber dasVerfahren, daß man nicht mehr wie früher petßhaftartig von oben druckte, fondern dasPapier auf die feßßehende Form legte und dabei ermöglichte, daß Vorder- und Rückfeitegenau zu einander ßimmten. — Hat ßch nun auch anfcheinend nichts von den früheßenDruckverfuchen erhalten, fo beßtjt doch das British Museum ein aus der WeigelfchenSammlung ftammendes Donatbruchßück, das einigermaßen meinenVorßellungen von demAusfehen derfelben entfpricht. 41 Diefes Fragment bietet die Eigenheit, daß dieColumnendurch Linien eingefaßt find und daß jede Zeile von der folgenden durch eine Linie ge-trennt iß. Es iß ziemlich ßcher, daß der Druck erft nach 1470 entftanden iß, auch find dieLinien (chwerlich gedruckt, objchon ße andererfeits auch nicht mit Tinte gezogen zu fein(cheinen; jedenfalls entfpricht diefes Trennen durch Linien völlig der Praxis der Metall-jchneider, und ich möchte faß glauben, daß in folcher Weife die metallographifchen,vielleicht aber auch die typographißhen Erftlinge gedruckt waren.
Dabei (cheint es mir übrigens nicht nothwendig, anzunehmen, daß alle Vorläufer dasgleiche Ausfehen gehabt haben müffen, da fo vieles dafür fpricht, daß verjchiedene Leutean dem Problem der mechanijchen Textvervielfältigung arbeiteten, wie dies (chonWimphe-ling in denWorten „sed cum is (quidam Argentinensis) Moguntiam descenderet ad aliosquosdam in hac arte similiter laborantes “ zum Ausdruck brachte. Ebenfo, wie manvon Metallfchnitt-Bildern Reliefplatten, die fogenannten Teigdrucke, herßellte, könnteman auch von den mit Text verfehenen Metalltafeln Abgüße genommen und mit ihnengedruckt haben. Dies würde den doppelten Vortheil geboten haben, daß bei den Papier-abzügen der Text fchwarz auf weiß erfchien und die Buchftaben auf der urfprünglichenMetallplatte nicht in Spiegelßhrift, fondern in gewöhnlicher Weife gravirt wurden.
Auf derartiges fcheinen zwei Eintragungen im Hinterlaffenfchafts-Inventar der Jacobavan Looz-Heinsberg, die am 3. März 1465 als Aebtifßn des Klofters Bethanien bei Mechelnßarb, hinzudeuten: „Unum instrumentum ad imprimendas scripturas et ymagines —