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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

Novem printe lignee ad imprimendas ymagines cum quatuordecim aliis lapideis printis.Es haben fich wohl außer einigen in Schiefer gravirten Siegeln auch ein paar aus hartem[chwarzem Graphit gejchnitteue Formen erhalten, die vermuthlich von der Hand einesin der Gegend von Cöln oder Aachen thätigen Goldjchmiedes mit bildlichen Darßeilungenund kurzen Schriftbändern verfehen find; zum Abdrude auf Papier (cheinen ße aberjedenfalls nicht geeignet, fondern dienten vermuthlich zur Preffung von Backwerk oderWachsbildern, Thongefäßen, Pappdeckeln oder irgend etwas derartigem. Unter diefenUmßänden es als ein äußerß glücklicher Zufall zu bezeichnen, daß ßch zwei verfchiedeneDrucke des Wahrzeichens des Kloßers Bethanien, deffen Aebtiffin Jacoba war, erhaltenhaben. Der eine ein Metallfchnitt, der andere ein Kupferßich; beide ftellen den Be-fuch Chrifti im Haufe des Lazarus zu Bethanien dar und tragen die Unterfchrift Exbethnia ppe mechlina tradif pressa. i2 Wenn ja auch beide einer etwas fpäteren Zeitentßammen als derjenigen, um die es ßch für uns handelt, fo darf dock wohl die Ver-muthung, daß die printae lapideae in irgend einer-Weife auf Metallgravirungen zurück-zuführen find, als nicht unberechtigt erjeheinen.

Zum Schluß möchte ich noch des Poema encomiasticum de chalcographiae inventioneerwähnen, das der Se^er und Corrector Arnold Bergellanus 1541 dichtete und dem da-maligen Erzbifchof von Mainz, Albrecht von Brandenburg, widmete. Bisher wurde aufdieses Zeugniß fehr wenig Gewicht gelegt, ja man hat es direct verfpottet, und doch läßtßch nicht verneinen, daß der Mann ein Fachmann war und, da er in Mainz arbeitete, nichtgut etwas berichten konnte, was den dortigen Traditionen zuwiderlief. Bergei fagtalfo, daßGutenberg durch feinen Siegelring zu der Erfindung veranlaßt wurde, daß er Metall ver-wendete und daffelbe auf verfchiedene Weife mit dem Grabßichel bearbeitete, bis erdarauf kam, Typen aus hartem Mefßng mit den Händen zu fchnitjen. Diefe Art der Her-ßellung wäre jedoch zu theuer geworden, er habe daher den Text zunächß in Holztafelngefchnitjt, endlich aber das Gießen der Typen erfunden. Im wefentlichen entfpricht diefeDarßellung alfo dem Ergebniß unferer Unterfuchung: Die Typographie beginnt mit demGraviren von Metallplatten, und zwar muß es ßch um vertiefte Buchftaben handeln, daauf den Siegelring verwiefen wird; ebenfo gefchieht als Metall des Meffings Erwähnung.Zeitlich nicht unrichtig auch das Eingreifen der Holzfchneidekunft gefchildert, nur daßirriger Weife die Perfon Gutenbergs damit in Verbindung gebracht wird. Endlich ge-lingt die Herßellung von Typen mittels einer Gießform, und von da ab handelt es ßchnicht mehr um ein Vervielfältigungsverfahren in der Weife graphifcher Kunßblätter, fon-dern um eine völlig neue Erfindung die Buchdruckerkunft. w. L. Schreiber.

Anmerkungen

1. Diefe zuerftvon Ghesquierre im Esprit desJournaux, Juni 1779, S. 234 erwähntenUrkunden find hier etwas modemißrt, jedoch möglichß getreu wiedergegeben;man findet (ie faefimilirt bei A. Bernard, De lorigine et des debuts de limprimerie enEurope, Paris 1853,Bd. I, Tf. 1. Der Januar 1445 nach heutigem Kalender der Januar 1446. Zwanzig sous tournoisßnd etwa 78 Pfennige.

2. Ms. boruss. 4« Nr. 249 der Königl. Bibliothek in Berlin . Bl. 60 v. Wie aus dem Regißer hervorgeht,war Wynand kein Mitglied, fondern benefactor des Kloßers. Die von ihm vermachten Bücher er-reichten natürlich nicht den Werth von 20 Gulden, wie dies Weale in den Transactions of the Biblio -graphical Society Vol. IV London 1898, S. 203 ff. behauptet, fondern der weitaus größte Theil diefer- Summe kommt zweifellos auf den an erßer Stelle genannten Abendmahlskelch, und der Bücher gefchahwohl weniger ihres Werthes als der Neuheit wegen Erwähnung.