VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE
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3. Der Holzfchneider Johannes Eyfenhut nennt [Ich am Ende feines Defensorium Mariae „impressor“ undebenfo iß der xylographifche Donat des Conrad Dinckmut in der Schlußfchrift kurzweg als „ impressus “bezeichnet. — Bernard hat a. a. O. I S.99 und II S.330 viele Beläge für das mettre en molle gefammelt,von dem im Februar 1474 den Parifer Druckern Friburger, Gering und Cranß gewährten Patent „defaire livres de plusieurs manieres descriptures en molle“ bis ins 16. Jahrhundert hinein, wozu [Ich nochergänzen läßt, daß der Canonicus Guillaume Paradin in feiner Chronique de Savoye (1552) Gutenberg direkt l’art d’impression etfacon de moller les escritures et livres zufchreibt.
4. de Roches berichtete in den Memoires de l’academie de Bruxelles Bd. I, S. 536, daß er einen altenBibliothekskatalog des bei Ulm belegenen Benedictinerkloßers Wiblingen beßße, in dem (Ich die Ein-tragung befände: „It. doicale i puo lib’o stmpto i bappiro no scrpo.“ Der Ausdruck stampare (ßempeln)bedeutet urfprünglich einen petfchaftartigen Druck und wurde ebenfo auf das Münzprägen wie auf denZeug- und Bilddruck angewendet. In Italien übertrug [Ich das Wort auch auf dieBuchdruckerkunß, dochfcheint dies in Deutfchland nicht der Fall gewefen zu fein. — Die Wiblinger Bücherfammlung iß fpäterder Kgl. Oeffentlichen Bibliothek in Stuttgart einverleibt, de Roches befaß den Band 1777, wahrfcheinlichaber fchon früher, da ihn Martin Gerbert in feinem Iter italicum (St. Blaßi 1765) nicht erwähnt. EineUeberfeßung des Berichts von de Roches gab J. G. J. Breitkopf in feiner Gefchichte der Erfindung derBuchdruckerkunß, Leipzig 1779. — Dominicale, liber in quo continentur lectiones et alia quae adofficium dominicarum vel festorum dominicalium pertinent (Carpenter).
5. Angebliche Gutenberg-Buchßaben (in der Wirklichkeit aber Initialen, die eine Höhe von 50—75 mmhaben) findet man abgebildet bei G. Libri, Monuments inidits, London 1863/64 Tf. 52.
6. Publication des Stuttgarter Literarifchen Vereins I, 4. Stuttgart 1843. In Ulm felbß wurde ebenfallsTuch, vornehmlich aber Parchent hergeßellt; auch machte man fremde Tuche nach, und wir findenfolche „auf brüchifche (brüggefche) und auf englifche Färb“ erwähnt. Das Aachener Tuch mußte nament-lich in grüner Farbe geliefert werden; roth und kornblau waren ebenfalls beliebt, feltener wurden licht-blau, braun und fchwarz verlangt. Billiges Tuch kam aus Arras , fehr theures hingegen wird als möchlich(aus Mecheln ), berner oder welfches Tuch bezeichnet. — Das ßimmt alles fehr wohl zu den fonßigenhißorifchen Ueberlieferungen, wonach Ulm und Augsburg derHauptßß der Leinweberei waren, währenddie Tuchweberei in Friesland, unter welcher Bezeichnung man damals den ganzen nördlichen Theilder Niederlande zufammenfaßte, und in Flandern in befonderer Blüthe ßand.
7. Abbildungen aus fämmtlichen uns erhaltenen Blockbüchern und Blockbuch-Fragmenten ßnd in W. L.Schreiber, Manuel de l’amateur de la gravure au XVe si&cle Bd. VII und VIII; die italienifche Pafßonfindet ßch auf Tf. LXXXIX. Der Kürze wegen werde ich bei den wichtigßen Blockbuchausgaben gleichdie betreffende Tafel im Text eingeklammert hinzufügen.
8. Ich habe die Entßehungszeit der einzelnen Blockbücher fehr eingehend im Centralbl. f. Bibliothekswefen1895, S. 201—266 behandelt und verweife Intereffenten auf diefe auch als Sonderabdruck erfchieneneArbeit. Muß ich mich jeßt des Raumes wegen ziemlich kurz faffen, fo habe ich andererfeits meine inder Zwifchenzeit gemachten Beobachtungen nach Möglichkeit für die vorliegende Schrift verwerthet.
9. In der älteren iß faß durchgängig die Schreibart gh (coningh, gheboert) angewendet; in der jüngereniß hingegen g (conig, geboert) bevorzugt.
10. W. H. Weale, Eearly Printing at Bruges. Transactions of the Bibliographical Society. Vol. IV London 1898, S. 203 ff. — Delepierre, Notice sur les tombes decouvertes en aoüt 1841 in den Annales de laSociete d’emulation de la Flandre occidentale. Vol. IV Brügge 1842, S. 129 ff. — Ch. Ruelens, La Viergede 1418 in den Documents iconographiques et typographiques de la Bibliotheque Royale de Belgique,Brüffel 1865. — Wir haben fchon oben das ungenaue Citat Weale’s in Bezug auf das Legat desWynandvon Roermond kennen gelernt, ebenfo falfch iß feine Behauptung, daß nach dem Berichte des PaulusPaulirinus die Spielkartenmacher Alphabete befeffen hätten. Nach feiner Angabe wären einige der inRede ßehenden alten Holzfchnitte an das Archäologifche Mufeum zu Brügge gelangt, doch habe ich vondort keinerlei Auskunft erlangen können. Auch die gleich zu erwähnende Urkunde vom 17. Auguß1447 iß mit völlig verfehlter Ueberfeßung zuerß in derZeitfchrift LeBeffroi tom. IV, Brügge 1873 S.244erfchienen und, wenn v. d. Linde III, S. 819 Anm. 1 recht berichtet, wäre Weale auch für diefe irrigeInterpretation verantwortlich.
11. R. Forrer, Die Kunß des Zeugdrucks vom Mittelalter bis zur Empirezeit. Straßburg 1898, S. 16.—Zum erßen Male wurde die Vermuthung, daß Jan de prentere kein Bilddrucker, fondern ein Zeug-