VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.
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Valdfoghel lehrte ferner in demfelben Jahre einem Juden Davinus von Carderousedie „scienda et practica scribendi“ und verpflichtete [ich am 10. März 1446, ihm „27 litterasebraycas formatas, scisas in ferro bene, unacum ingeniis de fuste , de stagno et deferro“ zu liefern, während der Jude als Gegenlei[tung dem Goldfehmied die Kunß,Stoffe zu färben, beibringen follte. Der Jude fuchte fich feinen Verpflichtungen zu ent-ziehen und wurde daher zur Herausgabe ihm verpfändeter „48 litterae gravatae in ferro“aufgefordert und zur Beteuerung, die „dicta ars artificialiter scribendi“ innerhalb einesUmkreifes von 30 Meilen geheimzuhalten, gezwungen.
Zur nämlichen Zeit ßand aber Valdfoghel auch an der Spitje einer Gefellfchaft, dieeinen gemeinfchaftlichen Apparat (instrumenta sive artificia scribendi) befaß, und anwelcher der fchon genannte Magißer Vitalis und der Magißer Arnoldus de Cofelhacobetheiligt waren. Vitalis trat am 5. April 1446 aus und verkaufte feinen Antheil an den„instrumenta sive artificia causa artificialiter scribendi tam ferro de calibe, de cupro,de lethono, de plumbo, de stagno et de fuste “ an Valdfoghel und den ebenfalls bereitsgenannten Schloffer Ferrofe um 12 Gulden. —Wenige Wochen fpäter, am 1. Juli, hatteValdfoghel bereits Avignon verlaßen, und Ferrofe [cheint bald darauf ebenfalls aus derStadt fortgezogen zu fein.
Daß 48 Buchßaben keinen typographifchen Apparat bilden können, liegt auf der Hand,und wir haben nur die Wahl, entweder an ein metallographifches Vervielfältigungsver-fahren zu denken, ähnlich dem oben gefchilderten, oder auch nur an einfaches Schön-[chreiben, verbunden mit der Herftellung correcter Manufcripte. Für die letjtere Auf-faffung läßt ßch die Ankündigung des niederdeutfehen Schreibmeifters Johanns vammeHagen anführen, der ßch zum Unterricht „in diversis modis scribendi magistraliter etartificialiter “ empfahl und dabei von „diversis nottulis neenon cum auro et argentosimiliter cum metallo extra pennam “ fprach. 36 Schon zu Karls des Großen Zeiten fcheintdeffen Schreibmeißer Bertcaudus Vordrude -Modele für die Initialen befeffen zu haben,und bei den im 12.Jahrhundert zu Engelberg hergeßellten Handfchriften macht ßch ebenfowie bei den zu Frovins Zeiten in Einßedeln gefertigten Manufcripten folch Vordrudebemerkbar. Aus dem 15. Jahrhundert wißen wir von Hartmann Schedel , daß er Metall-patronen für diefen Zweck befaß; der Italiener Felice Feliciano fchrieb ein Werk überdie geometrifche Conftruction der Buchftaben, das Albrecht Dürer und den FranzofenGeoffroy Tory zu gleichen Verfuchen anfpornte und bis in das vorige Jahrhundert hineindie Geifter befchäftigte; auch die 17 messing illuminier mödel, die das Kloßer Benedict-beuern 1499 für 10 den. kaufte, dürften zu ähnlichem Zweck gedient haben.
Andererfeits wißen wir aus der bekannten Schlußfchrift der 1470 zu Paris gedrucktenBriefe des Gafparinus fowie aus zahlreichen Schlußfchriftenoberitalienißher Druckwerke,daß man die Buchdruckerkunft auch als nova ars scribendi bezeichnete, und felbß inDeutfchland behalf man ßch mitunter mit dem Ausdruck Schreiber für einen Drucker. 37Man konnte die Bezeichnung ars artificialiter scribendi daher auch fehr wohl auf einenVorläufer der Buchdruckerkunft anwenden. Nicht ganz leicht erfcheint es allerdings, dasBedürfniß für die vielen angeführten Utenßlien zu erklären, da nach meiner Schilderungdas metallographifche Verfahren das denkbar einfachfte fein müßte. Aus dem Werke desPaulirinus können wir jedoch eine gewiße Vorliebe jener Zeit für Aufzählung felbß dernebenfächlichften Inßrumente entnehmen, und von folchen war in unferem Falle eine