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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. L. SCHREIBER

wendet hat, während er, wie wir fahen, in dem Zeitraum von 143640 feine Kraftzerfplitterte. Das Jahr 1440 muß alfo einen Wendepunkt in feinem Leben gebildet haben.Denkbar wäre es aber wohl,, daß er auch vorher fchon dem Buchgewerbe naheßand, dennin der Hinterlaffenfchaft feines Gefellfchafters Dritzehn fanden fichgroße und kleineBücher, er lehrteSteine poliren, was nicht nur für Goldfchmiedarbeiten, fondern auchfür das Einbinden koßbarer Bücher in Betracht kam, er lehrteSpiegel machen, waswenigßens fpäter ein Vorrecht der Buchbinder bildete, 33 er hatte eine Preffe mit zweiWirbeln, und folche benutjt noch heute der Buchbinder, er preßte mit Metallformen unddiefe waren zum Treiben von Lederarbeiten (Kafletten, Einbänden, Futteralen) nöthig,felbß dasSnytzel gezug des Dritzehn könnte zum Lederfchnitt von Bucheinbänden ge-dient haben. Es dies natürlich nur eine vage Möglichkeit obfchon es fonderbar genug, daß faß alles, was wir von Gutenbergs Lebensumßänden wiffen, in diefen Rahmenhineinpaßt aber dann wäre auch erklärlich, daß der Meißer in dem Augenblick, in demer das rohe holländifche Vorbild in die Hand bekam, ßch über die zukünftige Bedeutungder Neuheit klar war und ßch raftlos ihrer Weiterentwicklung widmete.

Ob nun Gutenberg die oben erwähnten, zur Herßellung von Inßhriften auf Buchein-bänden benutjten Buchßabenßempel kannte oder ob ihm die im Goldßhmiedhandwerkvielfach verwendeten Punzen (Ornamente, Werkftattßempel, Beßhauftempel u. f. w.) alsVorbild dienten, fo muß der erfte Schritt m. E. darin beßanden haben, daß er den Textnicht mehr aus freier Hand gravirte, fondern Punzen mit einzelnen gravirten Buchßabenbenutjte, um ße nach Erforderniß des Textes in die Metallplatten zu fchlagen. 34 Das Buch-ßabenbild mußte in der gewöhnlichen Stellung erhaben auf dem Stempel gravirt fein,diefer erzeugte auf der Metallplatte ein Spiegelbild, das auf dem Papierabzug wiederrechtfeitig erfchien; das Aneinanderreihen der Buchftaben konnte jedoch nicht in der ge-wöhnlichen Weife erfolgen, fondern mußte von rechts nach links geßhehen. Befaß Guten-berg ein in diefer Weife hergeßelltes Majuskel- und ein Minuskelalphabet mit den üb-lichen Ligaturen, fo war die Arbeit in wefentlich kürzerer Zeit herzußellen und das Aus-fehen derfelben wurde gleichmäßiger. Zu klein werden wir uns das Buchßabenbild der-felben nicht vorßellen dürfen, fondern ein fogenannter langer Buchßabe wird, wie aufden älteren Metallfchnitten und dem 27zeiligen typographifchen Mainzer Donat, eineHöhe von etwa 9 mm gehabt haben.

Faß hat es den Anfchein, als wären ähnliche Verfuche nicht nur von Gutenberg, fondernauch von Anderen unternommen worden; wenigftens läßt ßch aus alten Avignoner Notariats-akten folgendes feßßellen : 35

Ein aus Prag ßammender Goldfehmied Procop Valdfoghel, der in der päpftlichen StadtAvignon feinen Wohnßt} genommen hatte, beßätigte am 4. Juli 1444, von einem MagißerManaudus Vitalisduo abecedaria calibis et duas formas ferreas, unum instrumentumcalibis vocatum vitis, 48 formas stangni necnon diversas alias formas ad artem scri-bendi pertinentes geliehen erhalten zu haben und verpflichtete ßch, diefelben nach Auf-forderung fofort zurückzugeben. Er trennte ßch am 26. Auguft von feinem damaligen Gefell- fchafter, dem Uhrmacher und Schloffer Girardus Ferrofe ausTrier und nahm an deffen Stellefolgenden Tags einen gewiffen Georgius de la Jardina alsTheilhaber auf. Ferrofe mußtebeeiden, daß er Niemand im Umkreife von zwölf Meilen die erlernte Kunß zeigen dürfe;Jardina zahlte 10 Gulden Lehrgeld, wofür Valdfoghel noch die nöthigenWerkzeuge lieferte.