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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

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Ueber die Aechtheit unferes Dokumentes befteht kein Zweifel. Audi Heflels hat nichtsdagegen eingewendet, obwohl er es nicht felbft unterfuchte und fich auf die MittheilungenAnderer verließ.

Der Inhalt des notariellen Inftrumentes vom Jahre 1457 ohne befonderes Intereffe. Eshandelt (ich um den Verkauf der fogenannten Schlüffelfchen Güter im Dorfe Boden-heim bei Mainz . 292 Dies Beßtjtum hatte ein gewiffer Dielnhenne, in genanntem Orteanfäßig, vor Jahren von Peter Schlüffel als Geßhenk erhalten und verkaufte es am21. Juni 1457 an Johann Gensfleifdi den Jüngeren, den Mann der BruderstochterGutenbergs (vgl. oben S. 80, I 41; S. 89, II 18; S. 126,111). Auf dem Gute laßete einejährliche ewige Abgabe von 30 Maltern Weizen, die dem St. Viktor-Stift bei Mainz zuentrichten war. Der Käufer hatte diefe Gülte fortan zu übernehmen. In der Wohnungdes Herrn Leonhard Mengoiß, Kanonikus von St. Viktor, wurde der Kaufkontrakt ab-gefchloffen, worüber fich diefer im Namen feiner Oberen die Ausfertigung von einemoder mehrerenNotariatsinftrumenten ausbat. Unter den Zeugen, welche zu der Ver-handlung berufen waren, befand fich auch Johann Gutenberg.

Es ift kein Zufall, daß wir Gutenberg hier in näherer Beziehung zum St. Viktorßiftfinden. Wie wir fpäter fehen werden (vgl. Nr. XXVI), gehörte derfelbe derBruderfchaftvon St. Viktor bis zu feinem Tode an. Wann feine Aufnahme in diefe ftattgefunden hat,wiffen wir nicht; aber es widerfpricht nichts der Annahme, daß er um diefe Zeit bereitsMitglied der Bruderfchaft war.

Durch unfere Urkunde erhalten wir dieGewißheit, daß fich Gutenberg im Jahre 1457in Mainz befand. Dies Zeugniß ift uns deßhalb erwünßht, weil dadurch die vonjoh.Friedr. Fauß von Aßhaffenburg in feinemDiseurs vom Urfprung der Truckerey ge-gebene Nachricht,Gutenberg habe fich nach dem Prozeß mitFuft erzürnt nach Straßburg begeben undvielleicht dafelbß feinen eygenen Verlag gehabt, 293 eine Nachricht, welchenoch heute vielfach Glauben findet, durchaus hinfällig wird.

Nr. XXII Einträge in den Rechnungsbüchern des S. Thomas-Stiftes zu Strassburg aus den Jahren 1457/58 1460/61. [Tafel 18. 19].

Das (chonoben (Nr. XVII) angeführte Rechnungsbuch für 1457/58 enthält auf Blatt 25 beinen vonCharles SchmidtüberfehenenintereffantenEintrag. Hierftehen dieAusgaben desSchaffners von S. Thomas bis Johannis 1458 verzeichnet: Dis noch geßhriben han ichvßgeben von Johannis anno 1. feptimovntjvff Johannis anno 1. octauo an aller hand coften.Der Poßen auf Zeile 25 lautet:

Jtem ij ß Martin Brechter vnd Johan Guttenbergzu areftieren. ||

In derRechenung Cün Hans der porten ßhaffener zu Sant Thoman von Johannisanno domini 1. octauo vntj vff Johannis anno domini 1. nono findet fich unter den A u s-ßänden (Dis noch geßhriben bliben vs fton von zinfen in der ftat) auf Blatt ll aZeile 4ff nachßehender Eintrag:

Jtem Ofwalt Clam .... tenetur ij libras xv ß ||

Jtem Klicken Lauwel . . . tenetur x ß ||

JtemJohan Güttenberg j tenentur iiij libras ||vnd Martin Brechter |

Jtem M. Arbogaft Eihart . . tenetur xxx ß ||

(Vgl. Tafel 18 oben).