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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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Initialen von verfchiedener Größe einzudrucken. Alle diefe ein- und zweifarbigen Verfalienund Initialen müffen fehr genau in den (chwarzen Text paffen, namentlich auch der andrei Seiten geradlinig abgefchloffene Theil der zweifarbigen Initialen.

Man wird bei genauer Prüfung der Druckleitung der genannten Pfalterausgaben imAllgemeinen, wenn auch nicht ohne Vorbehalte im Einzelnen, anerkennen müjfen, daßdie in der That großen Schwierigkeiten mit hervorragendem Gefchick überwundenworden find. Insbefondere gilt dies für die beiden Drucke von 1457 und 1459, derenoriginelle Herßellungsweife eine umfo merkwürdigere Leißung ihres Erfinders darßellt,als fie bis in die neueße Zeit fich der Erklärung der Techniker faß vollkommen entzogenhatte. Das 1490 völlig geänderte Verfahren muß hiervon getrennt behandelt werden.

Das Druckverfahren von 1457 und 1459 hat man fidh folgendermaßen zu denken. DieColumnen wurden einzeln d. h. feitenweife zum Abdruck gebracht und zwar derart, daßalle auf der betreffenden Seite vorkommenden Farben nach forgfältiger Auftragung gleich-zeitig d. i. durch einmaligen Abzug abgedruckt wurden. Schmidt, Unterfuchungen, S. 169weift gewiß mit Reckt daraufhin, daß diefes Verfahren zur Ueberwindung der Schwierig-keit des genauen Zufammenpaffens der einzelnen Farben, eigentlich das nächßliegendefei, auf das ein Drucker, der noch keine große Erfahrung hatte, zuerft kommen mußte.Trotjdem eradite ich das erwähnte Vorgehen nur dann für ausführbar, wenn es gelang,die vermiedenen Farben unabhängig von einander, fozufagen in getrennten Formen,aufzutragen, dann erft die Typen wieder zu vereinigen und abzudrucken. Als nicht un-wefentlich für die Beurtheilung des vom Drucker einzufchlagenden Weges fehe ich diegeringe Anzahl der zu fertigenden Abdrücke an. Audi der große Kegel der Pfaltertypenfpielt eine Rolle, da er das Auseinandernehmen und Zufammenfetjen einzelner Typenoder Gruppen erleichtert. Der eigentliche Druckvorgangverlief nunmehr folgendermaßen:fobald der Sat$ einer Seite mit allen überhaupt zu druckenden Typen zum endgiltigenDruck bereit, nimmt der Drucker alle rothen Verfalien, ebenfo die zweifarbigenInitialen aus dem Satj heraus und befeftigt, wenn nöthig, die den entßandenen Lückenzunächft ftehenden Typen durch Ausfchlußftücke oder ähnliche Mittel. Die Sa^form, diealfo nur die Typen des [ch warzen Textes enthält, wird jeijt mit fch warzer Farbe ver-fehen. 17 Inzwifdien hat wohl ein Gehülfe des Druckers die in beftimmter Ordnungherausgeßellten Verfaltypen, ebenfo einzelne roth zu druckende Worte u. a., mit Zinnober-farbe dick betupft und auch die gleichfalls außerhalb der Preffe befindlichen auseinander-genommenen zweifarbigen Druckftöcke entfprechend eingefärbt und wieder zufammen-gefetjt. Die in den Lücken des [ch warzen Satzes etwa befindlichen Füllftücke werdennunmehr herausgezogen, die Verfalien in richtiger Reihenfolge, wohl zulefjt die großenzweifarbigen Stöcke eingefetjt, die Richtigkeit der Stellung, fowie die Einfärbung nochmalsgeprüft, die Form feßgefchloffen, fodann der durch ein wenig Feuchtigkeit erweichtePergamentbogen auf den Preßdeckel gebracht, die Punkturen eingeßochen, zugelegt, dieForm unter den Tiegel ge|ch°ben und unter Druck genommen. Es ift ohne weiteres klar,daß der fo entftandene Abdruck die auf den Satj aufgetragenen 2 bis 4 verfchiedenenFarben in tadellofem Regißer aufweifen muß, wie dies auch in beiden Drucken von 1457und 1459 der Fall. Ausnahmen find nur die aus verfchiedenen Gründen einzelneingedruckten Initialen, deren (ch wan kendes Regifter und fonßige Kennzeichen noch ein-gehend zu befprechen fein werden.