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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAU

Einige Beobachtungen an den Drucken mögen diefe Darlegungen ßütjen. Der feiten-weife Druck zunächß durch die Thatfache erwiefen, daß die Pfalterdrucke von 1457und 1459 durchwegvorwärtslaufenden Drude zeigen, d. h. die Schattierung der Ab-drücke erweiß unzweifelhaft, daß ßets Recto vor Verfo gedruckt wurde. Der Druck inFormen von zwei Columnen aber ergiebt nothwendig für eine Hälfte der Lagerück-läufigen Druck. Wird nämlich in der Quatern z. B. der Formendruck ausgeführt:la und 8b fo müffen die Blätter 85 rückläufigen Druck erhalten, Verfofeite zuerft,lb8a dann Rectofeite. Beginntaber der Druck etwa mit lb und 8a, dann la und 8b2 a7b und behält diefe Folge bei, fo werden die Bll. 14 der Lage rückläufigen Druck2b7a aufweifen. Da unfre Pfalterdrucke mit einigen verßhwindenden Ausnahmen

ufw. Blatt um Blatt nur vorwärtslaufenden Druck zeigen, fo liegt auf der Hand,daß Formendruck dabei nicht in Anwendung gekommen. Es mag noch bemerkt werden,daß diefe Druckfolge natürlich den Einzeldruck einer größeren Anzahl Rectofeiten hinter-einander, etwa la, 2a, 3a, 4a ufw., nicht ausßhließen würde; nach genügendem Trocknender Farben wären dann die Verfodrucke lb, 2b, 3b, 4b ufw. erfolgt. Mir [cheint einefolche Aufeinanderfolge, die das Recto-Verfo-Drucken zeitlich weit auseinander fchobund das feße Auftrocknen des erßen Druckes ermöglichte, fehr wahrfcheinlich, fowohlim Hinblick auf die nur feiten nachweisbaren Befchädigungen, die der Schöndruck durchden oft ßark eingefetjten Widerdruck erlitten hat, als auch mit Rückßcht auf den un-zweifelhaft bedeutenden Typenvorrath der Druckerei. Ausnahmen von der bezeichnetenDruckfolge find, wie erwähnt, fehr feiten. In Pf. 1457 finde ich nur Bl. 49a nach 49b,70a nach 70b, 72a nach 72b und 115a nach 115b gedruckt. Hier haben offenbar dieauf den Recto-Seiten vorkommenden zweifarbigen Initialen 2. Größe (D, S und J), diezudem alle mit großen, ftütjenden Stegen gefchloffen waren, die gebräuchliche Reihen-folge beeinflußt. Bei D Bl. 49 a Taf. 25 mußte ferner die untere Verzierung ganz fort-bleiben d. h. blind drucken, wodurch vielleicht eine Aenderung der normalen Stellungder Columne bedingt war. Bl. 98a mit C 2. Größe der rückläufige Druck nicht ßcherfeßzuftellen, aber wahrfcheinlich. In Pf. 1459 bemerke ich außer zwei fraglichen Blättern(57 und 80) nur eine ßchere Ausnahme von dem fonft durchweg vorwärtslaufendenDruckverfahren. Auf Bl. 68 ift Recto nach Verfo gedruckt; auf 68a befindet ßch wiederdie Initiale D der 2. Größe.

Neben diefen ßcheren Thatfachen darf ein Moment nicht unberückßchtigt bleiben.Die Hauptarbeit beim Abdruck der Pfalter-Columnen war unzweifelhaft das Einfärbendes Satjes. Es erforderte ßcher einen auch nach den Begriffen der alten Meißer nichtunbeträchtlichen Zeitaufwand. Hieran konnte aber der Druck einer Form von zweiColumnen nichts beffern. Die Arbeit des Einfärbens felbß vermindert ßch nicht; imGegentheil, die Ueberßcht über die vielfachen Hantierungen wäre erfchwert worden.Ganz unwefentlich bleibt demgegenüber der geringe Vortheil, den der gleichzeitige Ab-zug von zwei Seiten zu bieten [cheint, weil es ßch bei den koftbaren Pfalter-Druckenßcher nur um eineAuflage von wenigen Exemplaren handelte, mithin die Verdoppelungder wirklichen Abzüge keine Rolle fpielte.

Von geradezu abfoluter Beweiskraft für die Behauptung, daß die zweifarbigen Initialenbeim Abdruck mit der Textßhrift im gleichen Sat 5 ßanden, ift eine in den Pfalterdruckenvon 1457 und 1459 oft auftretende Erfcheinung. Schmidt S. 171 hat zuerft darauf hinge-