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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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wiefen, dag Typen mit Ober- oder Unterlängen, wenn fie unmittelbar unter oder überder Initiale gehen, fehr häufig gekürzt wurden, ohne Zweifel, um den Initialftock in denTextfatj einfügen zu können. Esverfteht (ich von felbg, dag auch das Fleifch der etwa dabeigehenden niederen Buchgaben entfprechend weggenommen werden mugte, dadielnitial-göcke aus Gründen der Haltbarkeit nicht etwa unterfchnitten gedacht werden können.Zu den zahlreichen von Schmidt beigebrachten Beifpielen gehe die auf den Tafeln ge-gebenen Abdrücke. Bei E 1457 Bl. 38b Taf. 28 gnd von lectagi 1, ct und g oben um 2bis 3 Punkt gekürzt, bei O Bl. 55a Taf. 29 1 und fvon excelfus ebenfalls 23 Punkt, bei PBl. 109a Taf. 29 f und 11 von pfallam (23 Punkt). Auch das wichtige F Bl. 89b f. Taf. 28.Es zeigt ein geftutjtes f; dann auch fehr bezeichnend, wie der rechte, nach unten gerichteteZug die Stellung der beiden Worte fuper omia beeinflugt hat. fuper ig etwas eingezogen,vermuthlich weil f ohne weitere Kürzung in die Ecke nicht vorzurücken war; der Wort-abftand von omia ig erheblich weiter als normal, um für den Apex des F Raum zu fchaffen.Aehnlich diefelbe Initiale Pf. 1459 Bl. 59a, wo der untere Zug dicht über c von (ta)bernaclageht und diefes etwas nach unten fchiebt, während la 2 Punkt höher ausweicht. GefchickteHerrichtung eines Textbuchftaben findet geh 1459 auf Bl. 6a bei S. In dilexit über derInitiale wurde der untere wellige Zug der fpitjköpfigen Minuskel x nicht weggefchnitten,fondern gerade gerichtet, fodag er dicht an der Verzierung der Initiale anliegt. Ganz ähn-lich Bl. 49b über N das x in ex(altabuntur). Bei D 2. Gröge Pf. 1459, Bl. 38b Taf. 25,ift contritiones um 2 Punkt oben geftutjt, die Häkchen der beiden i gnd fortgefallen.Um etwa 4 Punkt ift bei L 1459 Bl. 83a Taf. 28 michi abgenommen, ch und beide igekürzt, ebenfo um 3 Punkt die ergen drei Buchgaben von domino bei Q 1459 Bl. 62bTaf. 30. Die beiden Q von 1457 und 1459 Taf. 30 zeigen, wie man beim Einpaffen derInitialen verfahren mugte. 1457 war durch Wegnahme von 56 Punkt oberen Fleifchesvon meos genügend Raum gewonnen, das niedere m konnte dicht an die Verzierungs-linie herantreten. Bei Q 1459, Bl. 62 b verhinderte dies die Oberlänge des d, die manebenfowenig wie die Unterlänge des g in der oberen Zeile weiter abnehmen wollte; manbehalf geh einfach und rückte die Initiale bedeutend weiter nach links, als gewöhnlich,fo dag ge fag den Eindruck einer befonders eingedruckten macht. (Ueber die Kegelmageder Initialen und Texttypen f. Anmerkung 18).

Mit den Typenkürzungen geht die für den gleichzeitigen Druck von Text und Initialengleichfalls entgheidende Thatfache in unmittelbarem Zufammenhang, dag die zweifarbigenInitialen, bezw. deren Ornamente an die gekürzten Typen nicht feiten äugerg dicht heran-treten, eine Regigerghwankung oder Uebereinanderdrucken der verfchiedenen Farbenjedoch gerade an diefen Stellen nie vorkommt. Der Vergleich mehrerer Abdrücke einerfolchen Stelle, wo Farbe an Farbe geht und felbg die geringge, bei getrenntem Druck ganzunvermeidliche Regigerghwankung auffallen mügte, fetjt den technifchen Vorgang augerallen Zweifel. Siehe z. B. auf Taf. 28 das unübertrefflich gleiche Regiger der beidenAbdrücke der Initiale E in Pf. 1459 Bl. 40a des Gothaer und des Mainzer Exemplars.

In bezeichnendem Gegenfatj zu diefen durch Eingellen des Initialftockes in den Text-fatj erzeugten Abdrücken gehen die wirklich einzeln eingedruckten Initialen. Man ghrittzum Einzeldruck aus verfchiedenen Gründen; gewöhnlich, wenn die gleiche Initiale aufeiner Seite zweimal vorkommt, der Stock fomit zweimal abgedruckt werden mug, oderwenn zwei Initialen fo nahe zufammen gehen, dag ihre Randverzierungen den gleich-

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