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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAU

zeitigen Druck unmöglich machen. Diefe beim Drude übereinander fallenden Ornamentewerden zur Vermeidung unßhöner Wirkung in der Regel derart behandelt, dag nur EineGruppe zum Abdrude gelangte, während die andere, uneingefärbt oder überdedet, blindabdrudet. Vielleicht haben auch die weit nach oben oder unten ragenden Verzierungenden Einzeldruck von Initialen veranlagt, wenn diefe in den oberßen oder unterßen Text-zeilen ßehen, wie z. B. 1457 P Bl. 36a. Die Texttypen zu kürzen, lag bei den Einzel-drucken kein Anlag vor, da man offenbar keinen Werth darauf legte, die Berührung desInitialdrucks mit derTextfdirift ßreng zu vermeiden. Die ungekürzten Ober- und Unter-längen der Texttypen werden dabei faß regelmäßig von den Ornamenten der Initialenüberdruckt, wie ßch aus den Abmeffungen derfelben eigentlich von felbß ergiebt. Fernerkennzeichnet ßch der Einzeldruck oft durch ungewöhnlich ftarke Einpreffung, wie durchErzeugung von Blinddrücken auf dem andern Blatt des Bogens, wenn diefer gefalztunter der Preffe war. Auch wirkliche Regißerfchwankungen d. h. Verfehlen der Stellungder Initiale um einige Punkte oder auch ßhiefer Abdruck derfelben gehören zu denMerkmalen der Einzeldrucke, wenn auch in diefer Beziehung hervorgehoben werdenmug, daß die Schwierigkeiten des Einzeleindrucks mehrfach überraßhend glücklich über-wunden worden find. So Pf. 1457 Bl. 36a die Initiale P, die ßcher einzeln gedrucktwurde, hinßchtlich des Regißers und Einfages nicht von einem gleichzeitigen Druck zuunterßheiden. Ebenfo in Pf. 1459 Bl. 117a fteht Initiale R in ganz genauem Regißerzwißhen den Textzeilen, die im Ganzen nur drei Punkt Spielraum laffen. Der gleicheAbdruck im Gothaer Exemplar fteht kaum um 1 Punkt höher. 19 In diefem Sinne müffenauch als gut gelungen bezeichnet werden die Einzeldrucke: Pf. 1457 Bl. 86b D, untererAbdruck. Pf. 1459 B 117b (Taf. 27) D 92a, N 109b (Taf. 29) O 126b, Q 1 a, U 129b. 20

Daß diefe wenigen eigenartigen Einzeldrucke, für die ßch zudem faß in jedem Falleder technifche Anlaß bezeichnen lägt, nicht etwa die Beweife für das oben erörterteDruckverfahren der Pfalter-Ausgaben von 1457 und 1459 erßhüttern können, bedarfkaum der Erwähnung. Die bezeichnenden Merkmale diefer Ausnahmedrucke führen imGegentheil um fo beßimmter und zwingender zu dem Schluffe, dag die Hunderte vonzweifarbigen Initialen, die zwißhen gekürzten Texttypen häufig eng eingefchloffen ßehen,diefe aber nie Überdrucken, meift gutausgeglichen und in nie ßhwankendem Pafferabgedruckt find, unmöglich durch befondern Druck hergeftellt fein können. In gleicherWeife erbringen die unten zu befchreibenden, in der Pfalter-Ausgabe von 1490 aus-ßchließlich durch befondern Eindruck hergeßellten Initialen, fowie der in getrenntenDrucken ausgeführte Roth- und Schwarzdruck des Textes eine treffende Beßätigungdes 1457 und 1459 angewendeten Verfahrens.

Auch eine andre, dem Handpreffendrucker wohlbekannte Erßheinung mag nicht un-erwähnt bleiben. Sie beßätigt ebenfowohl den gleichzeitigen Abzug der mit allen Initialenund Verfallen ausgeftatteten Columnen, wie ße als Beweis für die vorzügliche Juftierungdes Typenmaterials von Intereffe. Die Pfalterdrucke bieten nämlich ausgezeichneteBeifpiele von wohlausgeglichenemEinfag. Im Allgemeinen gab man, wie erwähnt,ßarken, wahrßheinlich auch lange wirkenden Druck. Die Schattierung zeigt zuweilendie Höhe eines Punktes. Nicht feiten finden ßch jedoch auch Seiten mit leichterm Einfag.Die Vergleichung folcher ßarker und weniger ßarker Abdrücke erweiß in faß allenFällen das Zufammengehen oder die Uebereinftimmung des Einfages von Initialen und