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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE ZWEIFARBIGEN PSALTERINITIALEN. ANMERKUNGEN.

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im Turrecremata von 1478 vorkommenden breitgezogenen kleinen Initialen, die indeffen wie gewöhn-liche Druckfchrift auf den vollen Kegel der Clemenstype gefchnitten und gegoffen (Ind. Vielleicht finddiefe eigenartig fchwerfälligen Schriftformen von Schöffer felbft entworfen. Jedenfalls fcheinen fle fürfeinen Gefchmack bezeichnend zu fein. Daß ße indeffen als thatfächlich recht befcheidene Leitung mitden Pfalter-Initialen überhaupt nicht in Vergleich gebracht werden können, bedarf kaum der Er-wähnung. Eine beachtenswerthe Ausnahme macht nur die für den Druck des Pf. 1490 neu gefchnitteneInitiale C 3. Gr. (f. Taf.27). Sie erfetjt den, wie fchon bemerkt, beim Abfchluß des Druckes der Ausgabevon 1459 befchädigten Stock. Die technifch fichere Ausführung der neuen Initiale zwar unverkennbar.In künßlerifcher Beziehung fleht fie jedoch hinter allen übrigen erheblich zurück. Keine der altenInitialen weiß eine derart ungefchickte Löfung auf, wie die hier der Initiale beigefügte Federzugsgruppebietet. Faß will es fcheinen, als habe die Umänderung eines vorhandenen Ornamentfchnittes ßattge-funden, dem die Initiale, fo gut es gehen wollte, angepaßt wurde. Unter diefem Geßchtspunkte wäreauch die Anwendung des dunkeln Grundes, der bei keiner Initiale diefer Größe fonß vorkommt, be-zeichnend. Man vereinfachte ßch die Herßellung auf jede Weife und vermied die fchwierigere Aus-führung der Ornamente des früheren C. Die Zeichnung des hell ausgeßochenen Rankenwerks imübrigen eine verkleinerte Nachbildung der Ornamente des C 2. Größe, f. Taf. 25.

Auch der Zußand der Initiale M, die 1490 durchweg ohne die linke Haßa abgedruckt wird, in diefemZufammenhang bemerkenswerth.

DieLeißungen der Schöfferfchen Druckerei waren beim Tode Peter Schöffers (Ende 1502 oder Anfangs1503) nach der äßhetifchen wie technifchen Seite längßvon vielen Typographen Deutfchlands und Italiens weit überflügelt. Den von Meißern wiejenfon, Ratdolt, Johann Zainer, Aldus Manutius und vielenAndern gewonnenen Vorfprung konnte trotj eifrigen Ringens der Sohn und Nachfolger johann (feit 1503)nicht mehr einholen. Für die hervorragende Begabung und nicht erfolglofen Bemühungen JohannSchöffers geben feine zahlreichen Drucke Zeugniß. In diefer Beziehung dürfen auch, namentlich imGegenfaß zu dem Pfalterdruck von 1502, feine beiden Pfalterausgaben von 1515 und 1516 erwähntwerden. Wenn ße auch eine wefentliche Verbefferung der Drucktechnik gegen die Ausgabe von 1502erkennen laffen, fo ßehen ße doch vielen Drucken der Zeit, insbefondere auch den vor mehr als einemhalben Jahrhundert in der väterlichen Offizin hergeßellten Pfalterien erheblich nach. Vergl. überJohann und feinen als talentvollen Stempelfchneider und Buchdrucker intereffanten Bruder PeterSchöffer den Jüngern, befonders Roth, Die Mainzer Buchdruckerfamilie Schöffer . . . Lpzg. 1892.

23. (zu S. 285) Auf eine Vorrichtung zum Einßellen einer beßimmten Druckßärke fcheinen folgende Be-obachtungen hinzudeuten. In Bogen 154/157 zeigt die äußere Form, 157b/154a, im Schwarz einen gleich-mäßiggrauen Abdruck, offenbar infolge zu fchwacher Druckgebung. Die gleiche Erfcheinung, die eben-falls nicht mit dem Farbeauftrag zufammenhängen kann, bietet die innere Form 191b/194a, wo Rothgleichmäßig zu fchwach. Da beim eigentlichen Druck zu jeder Columne ein befondererZug d. h.Niederpreffen des Drucktiegels, erforderlich war, fo fcheint die Stärke des Druckes durch eine Vor-richtung geregelt, bei den erwähnten Abdrücken jedoch etwas zu fchwach bemeffen gewefen zu fein.

24. (zu S. 285) vergl. hierzu Schmidt a. a. O. S. 154ff.

25. (zu S. 286) Welche Verwirrung die falfche Auffaffung einer folchen, an ßch ganz einfachen Thatfache an-richten kann, zeigen v. d. Lindes Behauptungen in Quellenf. S. 77 u. 78. Es kann nach den oben feß-geßellten Thatfachen die Bemerkung faß überflüfßg erfcheinen, daß Lindes Beobachtungen an denOrnamenten der Initialen ausnahmslos falfch ßnd. In der Pfalterausgabe von 1490 (diefe Angabe fehltbei Linde, S.78, Zeile 10 v. o.) werden Schwarz und Roth des Textes immer von den Arabesken derInitialen gedeckt, z. Th. fehr deutlich, wie Bl. 76b, 85a. Lindes Angaben für Pf. 1459 beziehen ßch aufdas Gothaer Exemplar. Im Mainzer Exemplar ßnd die von Linde angezogenen Initialen, mit AusnahmedesU129b, nicht eingedruckt, fondern handfchriftlich beigefügt. Man wird hieraus, fowie aus dem Ueber-drucken der Textßellen fchließen dürfen, daß die fragl. Initialen des Gothaer Exemplars nach Fertig-ßellung des Textdruckes befonders eingedruckt und Lindes Beobachtungen, wonach die Ornamente vomfchwarzen Textdruck gedeckt würden, irrig ßnd. Richtig dagegen Lindes Bemerkung zu der genanntenInitiale U Bl. 129 b, deren dunkelblaue Initialplatte die hellblauen Ornamente von J(efu) deckt.Freilich erblickt Linde hierin eine Stüße feiner technifch durchaus widerßnnigen Behauptungen über dieDruckfolge, während die Erfcheinung ßch fehr natürlich durch den nachträglichen Eindruck der Initiale Uin den im übrigen fertig geßellten Drude erklärt.