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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAU

Zur weiteren Erläuterung der geringen Deckkraft felbß kräftiger Farbenpigmente auf Schwarz fcheintmir in diefem Zufammenhang nicht unangebracht, auf die Prüfung leicht erreichbarer moderner Druckehinzu weifen, die auf einen fchwarzen Vordruck fpäter aufgedruckte Farben enthalten. Bei demMünchenerKalender der Nationalen Verlagsanftalt z. B. find in faft allen Ausgaben die Farben erft nach derfchwarzen Platte aufgedruckt (nicht immer, 1893 z. B. zeigt gemifdites Verfahren, auf dem Titelblatt wirdRoth von Schwarz gedeckt). Man wird bei der Nachprüfung die Beobachtung und Feftftellung dieferThatfache an manchen Stellen nicht leicht, Lindes Mißerfolge aber erklärlich finden.

26. (zu S. 286) Einzelne Ausnahmen könnten aus befonderen Gründen [tattgefunden haben. So fcheint dasgenaue Regifter und der wohlausgeglichene Einfaß darauf hinzudeuten, daß auf Bl. la das große B (dasden rothen Textdruck deckt) vielleicht mit dem fchwarzen Saß zufammen abgezogen wurde. Als, wie esfcheint, einzige Ausnahme der oben nachgewiefenen Druckfolge muß Bl. 207a gelten, wo die Initiale Ivom Roth des Textes gedeckt wird.

27. (zu S. 286) Zweimaliger Einzeldruck auf einer Seite wird erforderlich, wenn z. B. die Züge zweierInitialen den gleichzeitigen Eindruck verhindern oder diefelbe Initiale zweimal auf der gleichen Seitevorkommt, wie Bl. 157a B; auf Bl. 1 a ift Q nicht gleichzeitig mit dem großen B; Ornamente fallen über-einander Bl. 148a N und J, 149a C und P.

28. (zu S. 287) Die in den leßten drei Lagen (zwei Quaternen, Bl. 189/196, 197/204, eine Tritern, 205/210und ein Blatt 211, das, wie es fcheint, auf Falz geklebt und mit der leßten Lage geheftet ift) des Pf. 1490von Triervorkommenden abgefchmußten vollen Seiten erfordern befondere Erwähnung. Zunächß gebendiefelben einige mit dem Eindruck unfrer Initialen zufammenhängende und auch fonß in drucktechnifcherBeziehung werthvolle Auffchlüffe, fodann aber legen ße in Verbindung mit den fchon erwähnten, durchzahlreicheAbfchmuße verdorbenen Bogen aus früheren Lagen den Gedanken nahe, daß diefes Pfalter-Exemplar zur Zeit feiner Entßehung vielleicht nicht zu denguten Exemplaren der Auflage gehörthat, fondern feine Zufammenfeßung uns unbekannten Umßänden verdankt. Faß will es fcheinen, alshabe man die beträchtliche Anzahl makulierter Druckbogen, die jedoch zum Chordienß noch brauchbarwaren, abßchtlich in diefem Exemplar zufammengeßellt. Eine für den Gebrauch in der Diöcefe Trierberechnete Ergänzung auf Bll. 161/188 handfchriftlich beigefügt. Jedenfalls fcheint mir nicht zuläfßg,auf Grund der allerdings höchß auffälligen Befchaffenheit der mangelhaften Bogen diefes Exemplars,dieBeurtheilungderZußändederSchöfferfchen Druckerei abzufchließen, bevor nicht eine Unterfuchungund Vergleichung der noch erhaltenen Exemplare diefer Ausgabe ßattgefunden hat. Das in Paris (Biblio-theque Nationale) befindliche Pergament-Exemplar fcheint mir hierfür befonders wichtig zu fein. Daßjedoch die zahlreichen durch Verfehen des Druckers oder aus anderen Gründen entßandenen Mängeldes Trierer Exemplars gerade für die Erforfchung drucktechnifcher Einzelheiten ganz außerordentlichenWerth beßßen, bedarf keiner Erläuterung. Leider mußte hier von der photographifchen Wiedergabederfelben abgefehen werden.

An ßch betrachtet, bietet die Entßehung diefer fehr ßarkenSchönheitsfehler freilich eine kaum zuübertreffende Probe nachläfßger und confufer Behandlung einzelner Bogen durch den Drucker. ZweierleiOperationen ßnd dabei zunächß unverkennbar: man hat frifch gedruckte Bogen theils mit den nochfrifchen Seiten gegeneinander einmal gefalzt, theils die ganz frifchen Abdrücke auf andere, fchon fertig-geßellte, trockne Bogen gelegt und dann in beiden Fällen einer erheblichen Befchwerung ausgefeßt.Man könnte daran denken, daß das Falzen des darauffolgenden Initialdruckes wegen, die Befchwerungaber zur Erhaltung der Feuchtigkeit des Papiers, gefchehen fei. Kein Zweifel kann jedoch darüber be-ßehen, daß das Verfahren durchaus unangebracht war, denn es entßanden durch Abklatfchen der frifchenFarbeSpiegeldrucke von z. Th. fo intenßver Schwärze, daß ße das Lefen des Textes erfchweren.Sie machen meiß den Eindruck, als feien ße etwa auf der modernen Steindruck- oder Glättpreffe her-geßellt worden. Auf die Verwendung reichlicher, vielleicht auch langfam trocknender Farbe, (Roth undSchwarz) muß ohne weiteres gefchloffen werden. Vgl. in der leßten Lage, 205/210, die Seiten 207b und208a, die gegenfeitig den gefamten fchwarzen und rothen Druck, jedoch ohne zweifarbige Initialen, ßarkabgezogen zeigen, und zwar fo gleichmäßig, daß der Abklatfch durch Gegendruck einer Saßcolumnenicht entßanden fein kann. Aehnlich aufeinander geklatfcht ßnd die Seiten 206b und 209a, wobei jedochaußerdem die obere Hälfte der Seite etwa dreimal nebeneinander geklatfcht hat, fo daß u. a. die abge-zogene Schrift von Bl. 209a auf diefe Seite wieder zurückgeklatfcht wurde. Es hat alfo unter Verfchiebungdes Bogens wiederholter Druck auf diefe obere Hälfte ßattgefunden. Leichtere Abfchmuße der ganzen