DIE ZWEIFARBIGEN PSALTERINITIALEN. ANMERKUNGEN.
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Seiten zeigen Bl. 205b und 210a; beim Eindruck der Initiale A205a und M210b entbanden dann nochßarke Abfchmuße der rückfeitig diefer Initialen (lehenden Worte des Textes.
Am auffallend[ten fcheinen mir die Spiegeldrucke einzelner Seiten aus anderen Lagen; fle laffenentfchieden auf bedenkliche Zu[tände in der Druckerei fchließen. In der Quatern 189/196 z. B. trägtSeite 190a einen Abklatfch der fchwarz und roth gedruckten Seite 207a. Die rechte obere Ecke desKlatfches hat außerdem in der Breite von etwa 7 cm duppliert, was fehr wahrfcheinlich durch den Auf-druck derlnitialeC 2. Größe, 191b, veranlaßt wurde. Man wird durch diefe Dupplierung zu der Annahmegezwungen, daß beim Aufdruck der Initiale die drei gefalzten Bogen ineinander lagen und zwar zuoberß Seite 191b, dann 190b und 207a, diefer Bogen jedoch mit dem Rücken nach außen eingelegt —ein verwickelter, immerhin aber möglicher Fall, wenn auch feine Veranlaffung rätfelhaft bleibt! Seite191a zeigt einen Klatfch von 206a der nächßen Lage, jedoch nur die fchwarze Form. Das im Klatfchfehlende Roth weiß nicht nothwendig auf eine Aenderung des Druckverfahrens hin. Der vorangegangeneRothdruck kann zurZeit des fchwarzen Drucks und Abklatfches feß getrocknet gewefen fein. Der Klatfchhat links oben fchwach duppliert. Die vorleßte Lage 197/204 bietet auf den Seiten 200a und 201b einneues Bild der Verwirrung. Bl. 201b trägt den ßarken, dupplierten Abklatfch der Seite 209b, Seite 200adenfelben Klatfch, jedoch etwas fchwächer und auf den Kopf geßellt. Sehr auffallend iß der Klatßh aufBl. 134b. Er ßammt von einem Abdruck der Seite 208b, hat fchwarzen und rothenText, ohne zweifarbigeInitialen, iß gleichmäßig ßark und ßeht etwa 1,5 cm nach links und oben verfchoben, ohne erkennbareDupplierung. Der Klatfch iß fo kräftig, daß er in beiden Farben Einzelheiten der Einfärbung wahr-nehmen läßt und offenbar unmittelbar nach dem Abdruck der Seite 208b entßanden iß; als befondersmerkwürdig iß indeffen hervorzuheben, daß von diefem Klatfch ein abermaliger Abklatfch vorkommt.Er befindet auf Bl. 96b, zeigt die Schrift natürlich recto, die oberße Zeile ßeht ganz auf dem Rand undiß vollkommen deutlich. Die Vorßellung des Praktikers, daß fertig gedruckte Bogen als „Durchfchuß“bei frifch gedruckten verwendet und dann noch vielleicht einer Befchwerung ausgefeßt wurden, läßt ßchhier und bei Bogen 200/201 nicht von der Hand weifen. Ob die theilweife Dupplierung der Seiten-klatfche vielleicht doch mit einem Druckvorgang in der Preffe in Zufammenhang zu bringen iß, kannhier nicht weiter verfolgt werden. Ganz beßimmt handelt es ßch bei diefen feitenweifen Klatfdien auchnicht etwa um „Abfchmuß vom Deckel,“ von dem noch ein Beifpiel folgen wird. Einmal zeigen alleKlatfche, mit der hier erwähnten Ausnahme Bl. 96b, „Spiegelfchrift,“ was den Abzug von einer rück-wärtigen Unterlage (Preßdeckel) ausfchließt, fodann aber ßnd ße thatfächlich unabhängig von Einfaßund Schattierung der betr. Druckfeiten; ße haben eine fo gleichmäßige Färbung, einerlei ob ße insRegißer oder auf den Rand fallen, daß man eine Beziehung zum Druck der Saßcolumnen, etwa alsUnterlage im Preßdeckel oder ähnlichem, nicht herausfinden kann. Außer den fchon erwähnten Bei-fpielen weife ich hier auf folgende bezeichnende Fälle hin. Bl. 190a zeigt einen ca. 1 cm nach rechtsüber den Saßfpiegel ßehenden Klatfch, die Dupplierung rückt nochmals um 3 bis 4 mm nach rechts undoben heraus. Auf dem untern Rand des Bl. 196b finden ßch 6, auf dem Kopf ßehende Zeilen vonBl. 211a, ohne Roth, geklatfcht. Einen wirklichen Abfchmuß der Unterlage, die Schrift recto, zeigt da-gegen Bl. 157a unten rechts. Hier hat beim Eindruck des anderfeitigen B das imus von laudabimus aufdie Unterlage, dann diefe auf den nächßfolgenden Reindruck abgezogen. Das leßte niedere s iß hinterden oberen Verzierungen der Initiale nochmals zu erkennen. Das auf dem Preßdeckel unterlegte Blattwurde alfo bei mehreren Abdrücken verwendet und etwas verfchoben; diefe mehrfache Verwendung ißdurch den Recto-Abfchmuß auf Bl. 157a erwiefen.
Zu den oben befchriebenen Abklatfchen vergl. die intereffante Abhandlung von Phil. Lofdi, Spiegel-abdruck eines unbekannten Einblattes von G. Zainer in Augsburg (ein Calendarium liturgicum für 1473)in der „Sammlung bibliothekswiffenfchaftlicher Arbeiten“ etc., 8. Heft. S. 56f, Leipzig 1895. Ein wahr-fcheinlich fertig gedruckter, noch offen d. h. ungefalzt liegender Bogen wurde hier als „Durchfchuß“ offen-bar beim Trocknen und Glattpreffen des Einblattes benußt. (Herrn Archivrat Dr. Wyß verdanke ichdiefen Hinweis, den ich kurz vor dem Druck diefer Zeilen empfing.)
29. (zu S. 287) Für die Drucktechnik des Pf. 1502 f. auch Schmidt, Unterf. S. 175. Neben den fonß treffendenBeobachtungen Schmidts fcheint mir fein Urtheil über diefen Druck als Abfchluß von Peter SchöffersDruckerthätigkeit, namentlich im Hinblick auf das Pergament-Exemplar des Mainzer Domes, doch zuhart ausgefallen zu fein. Insbefondere bedarf der Hinweis auf die „alten abgenußten Typen“ einer Be-richtigung. Das ßumpfe Ausfehen der Typen auf vielen Seiten des Papierdruckes iß zweifellos auf das