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ARTHUR WYSS
In deutfchen Reimen, die zum Teil nicht ohne poetijchen Schwung find, beginnt derText mit einem Gebet an Chriftus, den Himmelskönig, um Beißand gegen die drohendenTürken, die Eroberer Konßantinopels, und verknüpft damit einige kalendarifche Angabenfür das Jahr 1455, auf die ich zurückkomme. Sodann ruft er unter den einzelnen Monatendie verfchiedenen Mächte der Chriftenheit zur Rüßung und zum Kampf gegen die Türkenauf und (chließt daran das jeweilige Neumonddatum. Beim Januar mahnt er den Papfl;beim Februar den Römijchen Kaifer; beim März den Kaifer von Trapezunt, den Königvon Inkerman, die Ragufer, Albanefen und Bulgaren, Dalmatier, Kroaten und Wenden,alfo die Chrißen flavifchen Stammes und vorwiegend griechijchen Bekenntnijfes; beimApril die Könige von Frankreich und England, von Kaftilien und Navarra , von Böhmenund Ungarn, von Portugal und Aragonien, von Cypern, Dacien und Polen, von Däne-mark, Schweden und Norwegen ; beim Mai die Erzbißhöfe und Bißhöfe; beim Juni denDauphin, der mit Normannen, Hifpaniern, Pikarden, Bretonen, Gaskognern und Ar-magnaken das Elfaß in großen Schrecken gebracht; beim Juli den Herzog von Burgund ,mit den welfchen Herzogen von Kalabrien, Barr, Lothringen und Savoyen; beim Augußdie italienifchen Herren und Städte, die Venetianer und Genuefen; beim September dieedle deutßhe Nation mit ihren Grafen, Herren und Rittern; beim Oktober die Herzogevon Oefterreich, Bayern, Sachfen, Braunßhweig, Jülich, Geldern, Kleve , Berg undSchießen, die Markgrafen von Brandenburg, Baden und Meißen , den Landgrafen vonHeßen und Thüringen ; 9 beim November die freien Reichsftädte. Beim Dezember end-lich bringt er eine neue Zeitung, wie Charamann, der einft den König von Cypern ge-fangen genommen und tributpflichtig gemacht, nun mit gegen den Großtürken helfe, unddaß diefer fchon eine Niederlage erlitten habe. Den Schluß bildet ein Gebet an Gott unddie Jungfrau Maria und der Neujahrswunßh: Eyn gut felig nuwe Jar. Er ift der ältefteder Art, den man kennt. Später enthalten die Kalender häufiger Neujahrswünfche, undman findet folche auch als Einzelblätter mit Bildern. 10
Nach feinem Inhalt nenne ich das Büchlein Türkenkalender. Ein genaues Seitenßückdazu hat man in dem Heiliggrabkalender, wie ich ihn nenne, für das Jahr 1478, der unterdem misverftändlichen Titel ‘Lied vom heiligen Grabe’ wiederabgedruckt worden iß.“Der Sprache und eines Heiligen (Adolff) wegen kann ich ihn mit Beftimmtheit Bafeloder Straßburg zuweifen.
Ich komme zu den kalendarifchen Angaben.
Sie find: Goldne Zahl XII; Sonntagsbuchftabe E; Zeit von Weihnachten (nativitatis)bis zum Sonntag Esto mihi ßeben Wochen und vier Tage. Sie find richtig, und die be-weglichen Feße des Jahres find damit fchon feftgelegt. Dazu treten die Daten der zwölfNeumonde. Es find dies die XII nuwer fchin (Bl. l r Zeile 18), welche die zwölf Himmels-zeichen befuchen füllen und die dann als das erfte, das ander, das dritte u. f. w. nuwenäher beftimmt werden.
Zu nuwe iß liecht zu ergänzen; der Ausdruck Neulicht ift in unfererGegend fürNeu-mond bekannt. Der EltvillerVocabulariusEx quo fagt: Nouilunium eyn nu liecht, tempuscum luna nova est. Dieffenbach, Gloffarium 383 gibt: Novilunium eyn nü, eyn nue mant.Konrad von Megenberg fchreibt im Buch der Natur hg. von Pfeiffer 309,io: dar umbprüefent die holzhacker an daz wädel und daz new des mönen, wenn ß daz holz oder diepaum hawen wellent. Den fpäteren Kalendern des fünfzehnten Jahrhunderts ift das Wort