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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DER TÜRKENKALENDER FÜR 1455.

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geläufig. So heißt es in einem Nürnberger Kalender von 1484: Das erß würt vffSantJohans mit de guldin mund tag nachmittag fo die glogk .X. fchlecht vnnd .XIII. minuten, 12und in dem Ulmer Aderlaß- und Arzneikalender für 1474 von Johann Zainer von Reut-lingen : 13 vnd bruch mittelm läff des mons folgent hie nach. Grimm DWB. VII659 kennt diefes Neutrum nicht; er hat das Femininum die neue für Neumond. Aberein Beleg aus dem Mühlhäufer Rechtsbuch, den er anführt, gibt (ich nicht als Femininumzu erkennen, wird vielmehr als Neutrum den angeführten Beifpielen anzureihen fein :ein nüwe und ein wedel, daz fint vir wochen. 14

Die Zeit von einem Neumond zum andern beträgt im Durchfchnitt 29 Tage 12 Stunden44 Minuten 3 Sekunden. Der [chon erwähnte Ulmer Kalender für 1474 zählt keineSekunden, fchlägt aber dem Maineumond zur Ermittelung desjunivollmonds eine Minutemehr zu, nämlich 45 Minuten. Er erhält fo ein Mondjahr von 354 Tagen 8 Stunden und49 (ftatt 48) Minuten, während das genaue aftronomifche Mondjahr 354 Tage 8 Stunden48 Minuten 36 Sekunden hat.

Der Türkenkalender gibt keine Minuten an. Ein Kalender, der (Ich für die Neumond-zujchläge mit Tagen und Stunden behilft, kann auf ein annähernd richtiges Mondjahrnur kommen, wenn feine Stundenzufchläge 9mal 13 und 3mal 12 betragen. Er erhältdann ein Mondjahr von 354 Tagen 9 Stunden.

Set;t man die Neumonddaten des Türkenkalenders in unfere Datenbezeichnung um undbetrachtet feine Zufchläge von einem Neumond zum andern, fo fieht man, daß fie ganzunregelmäßig find. Nur beiden beiden letzten blickt das Gefet? durch. Gibt man die rich-tigen Zufchläge und vergleicht die fo gewonnenen Neumonddaten mit denen des Kalenders,fo findet man, daß diefe auf einer Befonderheit und vier Fehlern beruhen. Die Befonder-heit befteht darin, daß für den Verfaffer des Kalendermanufcripts Margaretha nicht, wie ge-wöhnlich, auf den 13., fondern auf den 15. Juli fiel, denn fant margreten abent muß nachdem richtigen Zufchlag der 14.Juli fein. Beim April führt dinftag vor fant iorge hochgezijtund beim September dinft vor erhebüg des cruces zu faljchen Daten; Donnerftag würdein beiden Fällen das Richtige ergeben haben. Wahrfcheinlich fand die Form durftagoder donftag in der Handfchrift oder eine ähnliche, wofür irrig dinftag gelefen wurde.Beim Februar hätte ftatt Morgens Nachmittags und beim Juni ftatt der Stundenzahl x ijgefetjt werden müffen. Ich werde einige diefer Punkte im Verlauf wiederaufnehmen.

Die umftehende Tabelle erläutert alle diefe Dinge im Einzelnen. Anhangsweife habeich ihr eine Ueberficht der aftronomifch berechneten Neumonde beigefügt, fo daß mandie im Kalender gegebenen mittleren damit vergleichen kann.

Daß der Türkenkalender gegen Schluß des Jahres 1454 hergeßellt wurde, liegt in derNatur der Sache. Daß er nicht etwa verfpätet erjchien, darf man aus dem Neujahrswunfcham Ende fchließen. Ich kann die Zeit der Herftellung ganz genau begrenzen, da ich dieQuelle der beim Dezember mitgeteilten neuen Märe, ihr Datum und die Zeit ihres Be-kanntwerdens angeben kann.

Sie ift gejchöpft aus einer neuen Zeitung, des Datums Romae, Venere ante Symoniset Judae 1454 (Oktober 24), die am 6. Dezember in Frankfurt eintraf, wo gerade einStädtetag gehalten wurde. Man findet fie in der Speyerer Chronik bei Mone, Quellen-fammlung der badijchen Landesgefchichte I 398 K. 5759. Die Abhängigkeit der Nach-richt im Türkenkalender ergibt (Ich aus folgender Vergleichung (S. 308):