§, 35. Die Usance.
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gen Treu und Glauben/ noch gegen zwingende Rechtsnormen ver-stoßen, denn ein diesen zuwiderlaufender Wille hat überall keinerechtliche Geltung, mag er durch besonderen Act kundgegeben oderaus dem in gleichen Fällen Ueblichen (Mißbrauch) gefolgert wer-den^). Wo dem wirklichen Gewohnheitsrecht die derogatorische Kraftsogar gegenüber nur disvositiven Rechtssätzen versagt ist, vermagauch eine gegen solche widerstreitende bloße Uebung nicht den In-halt der Rechtsverhältnisse zu bestimmen^).
3) Der Gebrauch muß redlich und ehrbar sein, d. h> wederder Sittlichkeit, insbesondere Treu und Glauben, noch dem gemeinenWohle zuwiderlaufen. Nur bestimmt sich diese Geltungöschrankenicht nach dem individuellen Ermessen des Nichters, sondern nachobjectiven sittlichen Maximen und staatlichen Grundeinrichtungen
Die Wirksamkeit der Usance ist der des gesetzlichen Han-delsrechts gleich, nur die particuläre Usance hat gegen solche
intercksrsi, rus ssiicmcko l'irrtsIIiAeii?!». o Zenso, col «zuale Is intsnckcmoi Usreackanti.
32) I. 1ö. 0, cks ecmckit. in-tt. (23, 7>. I. 4S. §. 1. 0, äe k. ^. (SO, 17)vgl. I. 38. v. cks pg,Ltis 14). I 12. z. 1. 0 cks p-tetis ckota.1. (23, 4)I. 5. L, 6s löK. (1, 14). Locke civil 6. O slitir, »rr s st I^srioitvin
V. Ar. IIS. Sv ist es bloßer Mißbrauch, falls der Kommissionär stattdes wirklich bedungenen Preises den höheren Marktpreis sür den Einkausoder den niedrigeren Marktpreis für den Verkaus iu Ansatz bringt u.dgl.Nur innerhalb gewisser Grenzen gestattet das H.G.B. Art. 376 ein demMißbrauch zugängliches Wahlrecht. Siehe auch Not. 26 a. E. Not. 34.
33) Unten §. 36. Not. 22 ff.
34) Nur ist so — abgesehen von kirchenrechllichen Verhältnissen — zu ver-stehen das Erfordernis; der s. g. Naliouabilität oder Vernunftgemäßheit:I. 2. v. sit loriAit consust. (8, S3). Nov. 134.S. I. o. 2—11 X.cke- eonsust. <1, 4>. e. 1—3 sock, in VI. (1, 4>. e. 9. cks okk. orck. iri VI.(1, 16). s. un. cks ecmsust. in Lxtrs-v. com. (1, 1). Puchta, Gewohn-heitsrecht I. S. 99 ff. II. S. 49 ff. 290 ff. v. Savigny , System I.S. 421. Kierulff, Theorie S. 13. Not. Keller, Pandekten tz.3.Einige, wie Meier S. 29 ff. und Windscheid §. 16. Not. 4. 5. wol-len diese Schranke nur für particuläre Gewohnheilen anerkennen. Alleines ist davon auszugehen, daß in solcher Uebung gar kein wahrer NechtS-wille sich kundgibt, also auch kein gemeiner. Vgl. O. A> G. zu Lübeck (Seufsert I. 307. X. 2). München (Seufs. I. 307>.