§. 35. Die Usance.
241
Innerhalb dieser Schranken hat der Richter die bestehendenUsancen zur Anwendung zu bringen, ohne daß es dazu der Anfüh-rung oder deS Antrags der Parteien, oder einer Bcwcisauflage imStreitfalle bedürfte^). Der Richter soll auch die Usance kennen.Doch gilt dieses Soll nicht ausnahmelos: es trifft ihn kein Vor-
Nr> b. kiviers, R^pcMions «!critvs S. 10: wenigstens für allgemeineUsancen. Vgl. unten §. 37. Not. 1. 9. Nach niederländischen Gesetzengibt Gewohnheit kein Recht, doch behauptet Ilaltius, Vociilo^in^en I.S. 29—33. 47—49 die Geltung allgemeiner Usancen schlechthin, und derparliculären soweit sie vor dem Handelsgesetzbuch bereits bestanden. Da-gegen c!>! ^Vul, llanclelsreßt I. 1. p. 41. Die Hamburgische Praxiserkennt die derogatorische Kraft auch des localcn Gewohnheitsrechts demgemeinen Recht gegenüber an. (Baumeister, HamburgischeS PrivatrechtI. S. I4>. Das Englische Recht erkennt die derogatorische Kraft auchdes particulären Gewohnheitsrechts (custoro) an: wlien it, is puk>Iie,psa,ckblL, uniform, Aenerirl, continuecl, reasonalllo, cerlain unci inimo-moriul Louvisr, l.o.w clictionarv s v. cugtom. lomlins eocl.Stsplion l. S. 56 ff. Gegen ausdrückliche Parlamenlsakie gilt jsdschkein Gewohnheitsrecht. 3tsplisn I. S. 60.
38) Hinsichtlich der Ermittelung des Gewohnheitsrechts ist zwar die ältereTheorie, daß Gewohnheilörechtösätze durchaus den Thatsachen gleichstehen,allgemein aufgegeben, (anders Preuß. A.G.O. I. 10. tz. 53, Haimerl,Zeitschrift f. Oesterr. Rechtsgelchrs. 1843. I. S. 10—13), allein eS herrschtnoch Streit, wie weit auf eine dem Richter nicht bckannie Gewohnheit dieGrundsätze vom processualischen Beweise anwendbar sind. Vgl. PnchtaI. S. 106. II. S. 151. ff. Rierulsf, Theorie S. 14. 15. v. SaviguyI. S. 181 ff. v. Vaugerow I. §. 17. Seuffcrt, Prakt. Pandekien-recht. K. 11. Sintenis I. §. 3. Not. 50 ff. v. Keller §. 3. Wind-scheid §. 17. Beselcr, Teutsches Privatrecht I. S. 114 ff. Mitter-mai er I. §. 25. 27, Not. 2» ff. Thvl, Einleitung S. 52. 53, Han-delsrecht §.9. Briuckmann, Gewohnheitsiecht S. 26 ff. Wetzell,System des ordentlichen Civilprocesses §. 20. Not. 8. Endemann, DieBeweislehre des Civilproccsses §. 12. 55. I)elaru!>,rr<z et depoitviat. I. Ar. 269—272. Siehe auch La »gen deck, welcher wesentlich die alteTheorie verficht, Archiv f. civil. Praris. Bd. 40. S. 358 ff. vgl. Bd. 41.S. 129 ff. Das Englische Recht verlangt als Regel, daß der Gewohn-heitörechtösatz vor Gericht angeführt und durch die Geschwornen anerkanntwerde, er sei denn bereits in einem früheren Falle in dieser Weise festge-stellt und vom Gericht aufgezeichnet worden. Ltexlierl I. S. 56.
Goldschmidt, Handbuch des Handelsrechts. 16