Teil eines Werkes 
Bd. 1, Abth. 1 (1864) enthaltend die geschichtlich literärische Einleitung und die Grundlehren
Entstehung
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Erstes Buch. Die Regeln und Quellen des Handelsrechts.

wuvf, falls er die nicht aufgezeichnete Usance seines Bezirks, das Ge-wohnheitsrecht anderer Gcrichtsbezirke oder gar eines fremden Lan-des nicht kennt- Sogar die Existenz und der Umfang allgemeinerUsanccn kann, zumal bei der heutigen Gerichtsverfassung und beiausschließlich gelehrten Richtern, den letzteren häufig unbekanntkleiden.

Kennt der Richter die Usance, so bedarf es keiner Erforschungderselben, mag dieselbe eine notorische sein oder nicht, mag eine, jamögen beide Parteien die Geltung derselben bcstrcitcn^). Eine Be-gründung der richterlichen Annahme ist jedoch insoweit erforderlichum dem Nichter einer weiteren Instanz die eigene Prüfung dieserAnnahme zn ermöglichen. Kaufmännisch besetzte Handelsgerichte ken-nen regelmäßig wenigstens die allgemeinen uud die localcn Usancenihres Bezirks 4°) wie die Schöffen der mittelalterlichen GerichtS-

33) O.T. zu Stuttgart lSeuffert XIH. 7S>. O.A.G. zu Wiesbaden (eo6. 204). O.A.G. zu Dresden (Annalen III. S. 277). Gerichtshofvon Amsterdam 25. Mai 1859 (IllllAaöijn vsn IianclolsreAt, I. 2. S.44).

40) Das Handelsgericht erkennt regelmäßig aus eigener Wissenschaft seinerMitglieder: Ui»rgna,r<I, <1s Mr. inerea,t. III. 6. Nr. 51. Für die spä-teren Instanzen ist die Anerkennung der Usance durch das Handelsgerichtein vollgültiges, wenngleich anfechtbares (darüber: Neues Archiv f. Han-delsrecht Bd. III. S. 479 486. Vgl. auch Bl. f. Rechtspflege in Thü-ringen VII. S. 79. So ist es auch von jeher in der Praris der hanseatischenGerichte gehalten worden, und in gleicher Weise nach der DeutschenGenchlSversassung, wo von dem Schosfcngcricht an den Oberhof gegangenwurde. Schwierigkeiten entstehen nur, wenn in oberer Instanz gar keinekaufmännischen Elemente mitwirke». Siehe auch vol km krrs et I,e-xoiioin t. I. Nr. 272), Zeugniß: Urtheile des Handelsgerichts zuHamburg 10. Juni 1832, bestätigt vom Obergericht, und vom 18. No-vember 1833 (NcchtSfälle zu Ashcr's MonatSschrist I. S. 178. 179. 182),des Obergerichtö zu Bremen 8. Octobcr 18S0 (Bremer HandclsblatlNr. 521>. Dem entsprechend: Badischcs Gesetz über die Gerichtsverfassungv. 0. März 1845. §. 35, Bremische HandelSgcrichtsordnung v. 16. Juni1815. §. 53, 54, Brannschwcigische H. G. O. 23. December 1850 §. 42.Preuß. Entw. des Haiidelsgesetzbnchs Art. 1007 S. 2. Preuß. Entw.,die Bearbeitung der Handelssachen betreffend §. 27 (Zeitschrift f. Han-delsrecht V. S. 583). Bayer. Einführungsgesetz Art. 72, (vgl. auch Zeit-schrift VI. S. 400 ff.). K. Sächsische Ausführungsverordnung zum Ein-führungSgesctz v. 30. December 1861. §. II. (Zeitschr. VI. S. 97).