XXXIII
wieder gut machen, wenn die Einigkeit zwischen Regierungund Reichstagsmehrheit in Frage gestellt wird!“ jammerte sie;und sie war dann auch wirklich wieder-zu einem Compromissbereit. Beim Jahresschlüsse weist sie sich an die Brust unddeclamirt: „Fürst Bismarck ist eine in sich geschlossene Per-sönlichkeit, und die Nationalliberalen sind noch vielunwandelbarer.“ (!!) Nun, wir werden sehen! Wir wollenabwarten, was die Nationalliberalen und die Manchesterleute,um sich am Ruder zu erhalten, noch für Sprünge vollführenwerden, und was bei den nächsten Wahlen von ihnen übrig •bleiben wird!
Selbstverständlich konnten die Drohungen der Juden auchHerrn Keil nicht einschüchtern. Allein er wurde doch schwie-rige?. Er liess Worte, wie „Schmu“, „koscher“ etc., obwol sieden Juden selber sehr geläufig sind, nicht mehr passiren; erstrich, nachdem ich schon die Correctur gelesen, alle An-spielungen auf das Judenthum und mancherlei Pointen; undwenn ich mich darüber beschwerte und auf unsere Abmachungverwies, so sprach er von seinem „Gerechtigkeitsgefühl“ undvon seinem „redactionellen Recht.“ Auch erschienen die Artikelsehr unregelmässig und in viel zu langen Pausen. Zahlreicheund häufig bogenlange Briefe wurden zwischen uns gewechselt;sie verdienen ebenfalls gedruckt zu werden, und sie würden inliterarischen Kreisen nicht wenig interessiren.
Auch Herr Lasker fühlte sich durch meine Kritik seiner„Enthüllungen“ (S. 244) beschwert, und unter dem Vorwändezu reclamiren, liess er durch einen „Freund“ über sich einebreite Reclame ausgiessen (Vgl. S. 341); welche in der „Garten-laube“, wieder ohne mein Wissen, erschien. Sie erregte selbstin „liberalen“ Kreisen Kopfschütteln, man wollte aus ihr folgern,dass die „Gartenlaube“ sich im vollen Rückzuge befinde, undeinige Blätter erhoben, zu meinem aufrichtigen Bedauern, sogarden Vorwurf, die »Gartenlaube« sei „jämmerlich zu Kreuz ge-krochen“. Ich hege diese Ansicht durchaus nicht; ich habe imGegcntheil Herrn Keil sofort mein Compliment gemacht, seinenTact und sein Geschick gerühmt, dass er die plumpe Reclameihrem vollen Umfange nach zum Abdruck brachte. Gewisswollte er sie dem Urtheil der Leser überlassen; gewiss meinteer, dass sie sich selber richte.
Glagau, Der Börscnsclnvimlel. c