XXXII
Reichs-Justiz-Commission suchte Herr Lasker sich durch einen sowunderbaren Antrag bemerklich zu machen, dass er hinterher,„wegen üeberbürdung mit Arbeiten“, seinen Austritt nehmenmusste. Neuerdings ist er. ziemlich unbemerkt, wieder eingetreten.
Der „Kulturkampf“ war den Juden ein gefundenes Fressen,und sie können davon nicht genug bekommen. Der „Kultur-kampf“ soll den Börsen- und Grundungsscliwindel vergessenlassen, über die schwere Krisis und den allgemeinen Nothstandtäuschen. Wenn die Katholiken so klug wären, mit der Staats-regierung ihren Frieden zu machen — und es scheint jetzt,als ob die Geneigtheit dazu auf beiden Seiten vorhanden ist —würde man bald den gemeinsamen Feind erkennen; die wahren*Reichsfeinde, welche den Ruf des Deutschen Volkes so arg ge-schädigt, den Glanz des jungen Reiches so schnell getrübthaben. Darum ist die „National-Zeitung“ voll Sorge undUnruhe, und sie ruft: Kein Ausgleich! Wir verlangen die un-bedingte Unterwerfung der Klerikalen! Selbst das Wort „Frie-den“ ist ihr anstössig, und sie schalt die „Provinzial-Correspon-denz“, die es gebraucht hatte. Als man im Reichstag Mienemachte, sich nach gewissen fragwürdigen Eisenhahn-Prioritätenzu' erkundigen, die dem Reichsinvalidenfonds angeschmiert sind,drohte die „National-Zeitung“, dem Centrum wie einem kleinenKinde, mit der „grossen und schreckhaft aussehenden schwarzenMappe“ des Reichskanzlers, w r elche über die Katholiken neueKirchengesetze ausscliütten w r erde; und um solch unliebsameErkundigungen möglichst zu beschwichtigen, um den „Scandal“zu beschwören, begann sie ihrem gefürchteten Gegner, HerrnWindthorst zu schmeicheln, und sie schmeichelte sogar HerrnBebel. Zu Anfang der Reichstagssession schwebte sie ingrösster Angst, dass die Regierung sich von der Manchester -Politik lossagen werde; bis ein Artikel der „Provinzial-Corre-spondenz“ sie wieder aufathmen Hess. „Es bleibt beim Alten!“jubelte sie, und lobte begeistert plötzlich den „ernsten ge-tragenen Stil“ des offieiösen Organs. Aber die Strafrechts-novelle brachte sie wieder in Verlegenheit, und sie wusstenicht, wie sie sich drehen und wenden sollte. Einerseits zog.sie Fürst Bismarck , andererseits schämte sie sich doch vor derNation, fürchtete sie diebevorstehenden neuen Wahlen. „AlleStrafrechtsparagraphen der Welt können den Schaden nicht