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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
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beschluß von der Goldpresse dahin falsch ausgelegt wurde,als ob er nicht den Wunsch nach Bimetallismus enthalte,wurde im Landtag der ausdrückliche Zusatzmit dem End-ziel des internationalen Bimetallismus" gemacht. Nachder Abstimmung im Abgeordnetenhause wird wohl Niemandmehr zweifeln, daß dieser Zusatz auch den Absichten derReichstagSmehrheit entspricht, denn die Parteigruppirung,welche im Abgeordnetenhause siegte, verfügt auch über dieReichstagsmehrheit. Merkwürdig ist es, wenn der HerrReichsbankpräsident Dr. Koch von demEndziel des Bi-metallismus" erklärt:jetzt soll eine vollständige Aende-rung unseres Münzwesens zu unserem Endziel erklärtwerden." Dergleichen irreführende Redewendungen findetman ja in der Goldwährungspresse nicht selten, alleinvon dem Herrn Reichsbankpräsidenten darf man doch er-warten, daß er solche Sprache vermeidet.

Welche Aenderung unseres Münz Wesens tritt dennüberhaupt ein? Unser Münzwesen bleibt absolut wie esist, unsere Goldmünzen, unsere Silbermünzen werden inkeiner Weise verändert, nur daß das Silber wieder gleich-berechtigt in der Prägung wird. Jetzt kann Jeder Goldin Barren zur Münze bringen, das Gesetz schreibt vor, daßer für ein Pfund Gold 1395 Mk. abzüglich der Münzgebührerhält, Silber dagegen wird nicht zur Ausmünzung ange-kauft, dadurch hat Silber keinen festen Preis und entwcrthetsich. Ist es nun eine vollständige Aenderung unseresMünzwesens", wenn der Staat auch Silber zu einemgesetzlich bestimmten Preis, z. B. zu 90 Mk. für dasPfnud abzüglich Münzgebühr kauft und daraus etwaneue Thaler prägt? Unser Münzwesen mürde dochdadurch nicht verändert. Man kann und ich werdezeigen, daß all' das falsch ist vielleicht behaupten,unsere Valuta, unser Geldwerth würde sich ändern, wirwürden Goldagio bekommen, Irrthümer, die sich leichtals solche nachweisen lassen, aber eine vollständigeAenderung unseres Münzwesens wäre selbst das nicht.

Kann denn unsere Negierung überhaupt", fährt Dr.Koch fort,ohne sich mit ihrer ganzen bisherigen Haltungin den denkbar schärfsten Widerspruch zu setzen, dergleichen